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Inhalt:1. Einführung2. Was sind Antidepressiva 3. Wirkungsweise der Antidepressiva 4. Einteilung der Antidepressiva 5. Nebenwirkungen 6. Dosierung 7. Behandlungsverlauf 8. Besondere Behandlungshinweise 8.1 Schwangerschaft und Stillzeit 8.2 Therapie im Alter 8.3 Therapie bei Nierenproblemen 8.4 Therapie bei Leberproblemen 9. Sonstige Vorsichtsmaßnahmen 9.1 Allgemeines 9.2 Straßenverkehr und Arbeitsplatz 9.3 Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten 9.4 Alkohol, Nikotin und andere Drogen 10. Einzelne Antidepressiva 10.1 Tricyclische Antidepressiva 10.2 Tetracyclische Antidepressiva 10.3 Selektive Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer 10.4 Selektive Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer 10.5 Serotonin Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer 10.6 Mono-Amino-Oxidase Hemmer 10.7 Atypische Antidepressiva 10.8 Lithium / Phasenprophylaktika 10.9 Phytopharmaka 10.10 Dopamin Wiederaufnahme-Hemmer 11. Depressionen und Ernährung 12. Quellen und Links Wichtiger Hinweis:Der Text ist keine Anleitung zur Selbstmedikation, dafür ist er nicht geeignet. Deshalb werden Sie auch keine genauen Angaben zur Dosierung finden. Falls Sie nach dem Lesen dieses Textes mit Ihrer Therapie nicht einverstanden sein sollten, wenden Sie sich bitte unbedingt zuerst an Ihren Arzt, bevor Sie eigenmächtig die Therapie verändern oder abbrechen. Der Erfolg Ihrer Behandlung kann davon abhängen.Detaillierte Informationen zu den einzelnen Wirkstoffen entnehmen Sie bitte dem Beipackzettel Ihres Medikamentes oder fragen Sie Ihren Arzt oder Apotheker. Die hier gegebenen Informationen können nicht vollständig sein, das würde den Rahmen einer Zusammenfassung sprengen. Alle Handelsnamen ® Bitte beachten Sie auch, dass dies ein Text ist, der von einem Laien für andere Laien geschrieben wurde. Es handelt sich im wesentlichen um eine Zusammenfassung der Informationen aus den im Kapitel 12 genannten Quellen. Eine Garantie auf Richtigkeit kann daher nicht gegeben werden. |
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1. Einführung |
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| Nach heutigen allgemeinen Verständnis entstehen Depressionen
durch ein Ungleichgewicht der Neurotransmitter in den Nervenzellen (siehe
Kapitel 3 "Wirkungsweise"). Hier setzt die medikamentöse
Therapie an. Sie kann zwar nicht die Ursachen für das Ungleichgewicht
beseitigen, aber da unter dem Einfluss der Medikamente die Antriebslosigkeit
und die Hoffnungslosigkeit des Patienten beseitigt werden, kann dieser
die Lösung der Probleme in Angriff nehmen, die während der Depression
noch unüberwindbar erschienen. Der Vollständigkeit halber soll
hier nicht verschwiegen werden, dass es auch andere Theorien zur Entstehung
von Depressionen gibt. Die medikamentöse Therapie von Depressionen erfolgt in der Regel durch Antidepressiva. Fachärzte zur Behandlung von Depressionen sind Nervenärzte und Psychiater. Nicht immer sind Antidepressiva zur Behandlung einer Depression erforderlich. Oft reicht auch eine Psychotherapie. Andererseits kann es sein, dass eine Psychotherapie nicht angezeigt ist und eine rein medikamentöse Behandlung erforderlich ist. Abhängig ist das von der Art der Depression. Die passende Therapie wird durch den behandelnden Arzt, gegebenenfalls in Zusammenarbeit mit dem Psychotherapeuten, erarbeitet. In den meisten Fällen hat jedoch die Kombination aus psychotherapeutischer und medikamentöser Behandlung die größten Aussichten auf Erfolg. Im folgenden Text geht es aber allein um die medikamentösen Aspekte der Therapie. |
2. Was sind Antidepressiva ? |
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| Antidepressiva gehören zu den Medikamenten, die gezielt auf die |
Neuroleptika
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| Psyche des Menschen wirken. Diese Medikamente
werden auch Psychopharmaka genannt. Neben den Antidepressiva zählen
dazu noch die Tranquilizer und Neuroleptika (siehe Kasten rechts), auf
die hier jedoch nicht näher eingegangen werden soll. Antidepressiva sind Medikamente, deren Wirkstoffe schon nach kurzer Zeit die depressive Verstimmung verringern und nach dem Abklingen der Depression einen Rückfall verhindern. Es spielt dabei keine Rolle, welche Ursache der Depression zugrunde liegt. |
Die Neuroleptika, auch Antipsychotika genannt
, lassen sich in zwei Gruppen teilen. Hochpotente sind zur Behandlung
von Psychosen ("Geisteskrankheiten") unverzichtbar geworden.
Niederpotente bewähren sich dagegen besonders bei Zuständen
von Erregung, Unruhe und Angst, sowie bei Schlafstörungen. Die
Neuroleptika haben kein Suchtpotential.
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| Solche stimmungsaufhellenden Mittel gibt es auf pflanzlicher Basis |
Tranquilizer
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| (auch Phytopharmaka genannt, siehe Kapitel
10.9) schon seit Menschengedenken. Das bekannteste Beispiel dafür
ist das Johanniskraut. Die synthetischen Antidepressiva stehen erst seit
1957 mit der Entwicklung des Imipramin zur Verfügung. Das war ein
großer Fortschritt in der Medizin, denn nun war es auch möglich
schwere Fälle von Schwermut zu behandeln, bei denen die pflanzlichen
Medikamente versagten. Danach wurden dann die Tetracyclika und die nicht tricyclischen Präparate entwickelt. Ein weiterer großer Durchbruch war in den achtziger Jahren die Entwicklung der neuen selektiven Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer und des Moclobemid. |
(Lat.: tranquillus = ruhig ) Beruhigende Medikamende
vom Typ Benzodiazepine. Sie wirken angstlösend beruhigend, und
oft auch schlaffördernd. Werden Sie über eine längeren
Zeit eingenommen können sie süchtig machen. Manche wirken
sich auch noch lange nach dem Aufwachen auf die Konzentrations- und
Reaktionsfähigkeit aus. Das erhöht die Gefahr von Unfällen
im Verkehr und beim Bedienen von Maschinen sowie die Gefahr von Stürzen.
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Antidepressiva haben im Gegensatz zu anderen Psychopharmaka kein Suchtpotential. Werden sie abrupt abgesetzt kann es jedoch zu sogenannten Absetzerscheinungen kommen (siehe Kapitel 7). Antidepressiva verändern nicht die Persönlichkeit. Dagegen fühlen sich viele depressive Patienten von der Depression selbst in ihrer Persönlichkeit stark verändert. Antidepressiva tragen dazu bei, die durch die Depression veränderten Persönlichkeitsmerkmale wieder zu entfalten. |
3. Wirkungsweise der Antidepressiva |
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| Die genaue Wirkungsweise der Antidepressiva ist auch gut 50 Jahre |
Serotonin
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| nach der Entwicklung der ersten Medikamente noch nicht gänzlich
geklärt. Ihr Wirkmechanismus basiert auf der Annahme, das bei einer
Depression das Gleichgewicht verschiedener Neurotransmitter gestört
ist. Das Nervensystem und vor allem das Gehirn selbst besteht aus unzähligen Nervenzellen, die mit Hilfe von Botenstoffen, fachlich Neurotransmitter genannt, untereinander kommunizieren. Es gibt zahlreiche Neurotransmitter. Die bekanntesten sind Serotonin und Adrenalin. Daneben gibt es aber auch noch das Dopamin, Histamin, Noradrenalin und viele weitere. Ihre Aufgabe ist es Informationen über den synaptischen Spalt hinweg zu transportieren. Das ist die mikroskopisch kleine Lücke zwischen zwei Nervenzellen. Je nach Art der Nachricht, werden die jeweiligen Neurotransmitter blitzschnell ausgeschüttet. Haben diese |
(chemisch: 5-Hydroxyltryptamin = 5-HT) Serotonin,
oft auch (fäschlicherweise) als Glückshormon bezeichnet, erfüllt
eine Vielzahl von Aufgaben im menschlichen Körper, obwohl im ganzen
menschlichen Körper nur etwa 10 mg (mg = Milligramm) vorkommen.
Es steuert das zentrale Nervensystem (ZNS) zum Beispiel bei Erinnerungs- und Lernvermögen, Appetit, Sexualität, Schmerz, Muskelbewegungen, Angst- und Unruhezuständen, Bluthochdruck, Temperaturempfinden, sowie bei kardio vaskulären Funktionen. Serotonin hat aber auch einen Einfluss auf den Verdauungsapparat und die Blutgefäße. |
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| ihre Aufgabe erfüllt, werden sie über Öffnungen in der Zellwand der | ||
| der Nervenzelle, den Rezeptoren, wieder aufgenommen. |
Noradrenalin und Dopamin
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| Normalerweise befinden sich die Neurotransmitter im synaptischen Spalt in einem Gleichgewicht. Wenn dieses Gleichgewicht jedoch gestört ist, kommt es zu Niedergeschlagenheit, Antriebslosigkeit, Störungen beim Schlafen und Denkprozessen und zu den anderen typischen Symptomen einer Depression. |
Noradrenalin und Dopamin wirken sich positiv auf
den Antrieb aus. Sie steuern sehr grundlegende Körperfunktionen
wie den Schaf-Wach-Rhythmus, die Sexualität und die Aktivität
des Kreislaufs.
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Antidepressiva sollen die Depression zum Abklingen bringen, indem |
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| sie das gestörte Gleichgewicht wieder herstellen. Die klassischen |
Histamin
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| Antidepressiva erreichen ihr Ziel, indem sie die Wiederaufnahme
der Neurotransmitter an den Rezeptoren verhindern. Sie werden daher Wiederaufnahme-Hemmer
genannt. |
Das Histamin wirkt unter anderem entspannend und
beruhigend. Es hat aber auch Einfluss auf Appetit und Blutdruck.
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| Durch diese Blockade verbleibt der jeweilige Neurotransmitter
länger im synaptischen Spalt und kann dort den erwünschten Reiz
über einen längeren Zeitraum ausüben. Auch der gegenteilige
Effekt ist wirksam. Es wird nicht die Wiederaufnahme verhindert, sondern
die Ausschüttung wird nicht gestoppt. Normalerweise registriert die
Zelle, wieviele Neurotransmitter im synaptischen Spalt vorhanden sind
und stoppt dann deren Ausschüttung. Wird das durch die Medikamente
verhindert, werden weiterhin Neurotransmitter frei gesetzt und deren Konzentration
im Spalt steigt. Eine weitere Variante blockiert die Enzyme, die für den Abbau der Neurotransmitter in den Nervenzellen verantwortlich sind. Dadurch steht eine größere Menge des jeweiligen Neurotransmitters zur Verfügung. Durch die Komplexität des Neurotransmitterhaushalts ist es oft eine schwierige Aufgabe für den Arzt das richtige Medikament zu bestimmen und nicht selten muss auch das Präparat gewechselt werden. Warum die Wirkung der Antidepressiva erst nach längerer Zeit einsetzt ist noch nicht geklärt. Belegt ist, dass die Rezeptoren der Nervenzellen bereits nach einigen Stunden blockiert werden. Der akute Effekt kann daher nicht die eigentliche Wirkung verursachen. Es wird vermutet, dass die Besetzung der Rezeptoren eine Kaskade von Veränderungen in anderen Systemen auslöst. Eine Rolle kann dabei auch die Blut-Hirnschranke spielen. Diese riegelt das Gehirn gegen das Eindringen von gefährlichen Stoffen ab und läßt nur bestimmte Moleküle passieren. Die Antidepressiva, die im Gehirn wirken sollen, müssen diese Schwelle erst einmal überwinden. Eine weitere Theorie geht davon aus, dass die Zellen nach einiger Zeit zusätzliche Rezeptoren ausbilden, welche die Reaktion auf die Botenstoffe verstärken. Durch bildgebende Verfahren schließlich konnte festgestellt werden, dass Antidepressiva ähnliche Veränderungen an den Synapsen im Gehirn bewirken, wie eine Psychotherapie. Auch dies ist ein Vorgang der etwas Zeit in Anspruch nimmt. [3] |
4. Einteilung der Antidepressiva |
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| Es gibt unzählige Antidepressiva im Handel. Dahinter verbergen sich | ||
| jedoch nur knapp fünfzig Wirkstoffe. Diese werden
jedoch von verschiedenen Firmen unter unterschiedlichen Namen angeboten.
Außerdem gibt es unterschiedliche Darreichungsformen und Dosierungen,
so dass sich fast unübersichtliche Vielfalt ergibt. Im folgenden
wird zur besseren Orientierung immer nur der Wirkstoff genannt werden.
Die einzelnen Handelsnamen werden im Kapitel 10 den Wirkstoffen zugeordnet. Zumeist werden sie nach der chemischen Struktur des Wirkstoffes und nach ihrer Wirkung unterteilt. Diese Sortierung wird auch hier verwendetet.
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| Für die Praxis werden die Wirkstoffe auch nach dem Schwerpunkt |
Wirkungsschwerpunkte
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ihrer Wirkung zu unterteilt [L6]:
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Die Einteilung der einzelnen Medikamente ist oft
nicht eindeutig möglich. Häufig ist das abhängig von
der Dosierung. Hinzu kommt, dass einzelne Patienten zum Teil recht unterschiedlich
reagieren. Ein an sich aktivierendes Antidepressivum kann dann plötzlich
sedierende Eigenschaften zeigen. Die Zuordnung kann daher nur als grobe
Orientierung dienen:
Imipramin-Typ: Citalopram, Clomipramin, Fluoxetin, Fluvoxamin, Johanniskraut, Imipramin, Lofepramin, Maprotilin, Nefazodon, Paroxetin, Sertalin, Venlafaxin Desipramin-Typ: Desipramin, Dibenzepin; Escitalopram, Moclobemid, Nortriptylin, Tranylcypromin, Venlafaxin, Viloxazin Amitriptylin-Typ: Amitryptilin, Amitriptilynoxid, Dosulepin, Doxepin, Mianserin, Mirtazapin, Opipramol, Trazodon, Trimipramin |
5. Nebenwirkungen |
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| Alle Arzneimittel, auch solche auf rein pflanzlicher Basis, haben |
Häufigkeiten
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| Nebenwirkungen. Manche lassen sich mit bestimmten Krankheiten
oder Medikamenten nicht vereinbaren. Das Antidepressivum muss daher sorgfältig
ausgewählt werden. Es würde den Rahmen des Textes sprengen zu
jedem Wirkstoff alle Nebenwirkungen zu nennen, aber die wichtigsten werden
weiter unten aufgeführt. Die Details stehen im Beipackzettel des
jeweiligen Medikamentes oder können beim Arzt oder Apotheker erfragt
werden. Die Nebenwirkungen von Antidepressiva treten in der Regel am Anfang
der Behandlung auf und klingen im weiteren Verlauf wieder ab, wenn sich
der Körper an das Medikament gewöhnt hat. Sehr lange wurde propagiert, dass die klassischen Antidepressiva (Tricyclika und Tetracyclika) stärkere Nebenwirkungen hätten und neuere Präparate (z.B. die Selektiven Wiederaufnahme Hemmer) nebenwirkungsärmer seien. Inzwischen beginnt sich die Ansicht durchzusetzen, dass die Nebenwirkungen der neueren Präparate zwar anders gelagert sind und im Allgemeinen vom Patienten eher toleriert werden, deren Häufigkeit aber nicht geringer ist. Anhand des Wirkungs- und Nebenwirkungsprofils muss der Arzt für jeden Patienten individuell das richtige Medikament auswählen. |
Die Angaben im Beipackzettel zu der Häufigkeit
von Nebenwirkungen sind genau festgelegt, oft aber umständlich
beschrieben:
sehr häufig = über 10% häufig = zwischen 1 und 10% gelegentlich = zwischen 0,1 und 1% selten = weniger als 0,1% sehr selten = weniger als 0,01% extrem selten = weniger als 0,001% (= in einem von 100000 Fällen) Auch wenn kein Zusammenhang festgestellt wurde, müssen die Hersteller alle beobachten Erscheinungen und möglichen Nebenwirkungen angeben. |
| Die neueren Antidepressiva sind zum Teil um ein vielfaches teuerer. |
anticholinerge Wirkungen
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| Dem steht jedoch wieder gegenüber, dass die neueren
Präperate eben oft besser toleriert werden und dass die Behandlung
daher seltener abgebrochen werden muss. Auch weisen sie für den Fall
einer absichtlichen Überdosierung eine geringere Toxizität auf. Extreme oder andauernde Nebenwirkungen können auch durch eine entsprechende Zusatzmedikation gemindert werden. Die Tabelle unten zeigt die typischen Nebenwirkungsprofile der einzelnen Antidepressiva Gruppen: ![]() Tabelle entnommen aus: [L1] |
Nebenwirkungen, die durch die Blockade der Rezeptoren
für den Neurotransmitter Acetylcholin enststehen. Sie werden von
fast allen Antidepressive verursacht. Vor allem jedoch von den klassischen
Tri- und Tetracyclika, da diese besonders wenig spezifisch wirken.
Die gefährlichen Wirkungen auf das Herz-Kreislauf-System können bei einer Überdosierung tödlich sein. Es wird unterschieden zwischen den Wirkungen auf das periphere Nervensystem und auf das zentrale Nervensystem. Peripheres Nervensystem: Zunahme von Appetit und Gewicht, Einfluss auf die Herztätigkeit, Erhöhung des Augendrucks, Blutdrucksenkung, Schwitzen, Schwindel, Trockenheit im Mund, Harnverhalten, Sexualstörungen, Sehstörungen, Verstopfung etc. Zentrales Nervensystem: Unruhe, feines Zittern, Störung von Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentration, Müdigkeit, etc. |
6. Dosierung |
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| Bei der Festlegung der Dosis wird der Arzt vor allem auch das Alter |
Sedierung
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| des Patienten berücksichtigen, denn Kinder und alte
Menschen reagieren normalerweise empfindlicher und benötigen daher
eine geringere Dosis. Viele Antidepressiva werden eingeschlichen. Das bedeutet, es wird zunächst mit einer niedrigen Dosis begonnen, die allmählich bis zur endgültigen Dosis gesteigert wird. Dadurch lassen sich einige der |
Beruhigende und dämpfende, bisweilen auch
eine schlafanstoßende und "betäubende" Wirkung.
Bei verschiedenen Präperaten ist dieser Effekt keine Nebenwirkung, sondern sogar erwünscht. |
| Nebenwirkungen vermeiden. Auch der Zeitpunkt der Einnahme ist entscheidend. Aktivierende Antidepressiva werden am Vormittag eingenommen, sonst drohen Einschlafstörungen. Sedierende Antidepressiva werden dagegen am Abend oder vor dem Schlafengehen eingenommen. Durch den schlafanstoßenden Effekt dieser Mittel läßt sich ein zusätzliches Schlafmittel einsparen. |
7. Behandlungsverlauf |
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| Die Wirkung der Antidepressiva tritt nicht sofort ein, sondern erst |
Absetzerscheinungen
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| nach ein bis zwei, manchmal auch drei Wochen. Als erstes
treten die Nebenwirkungen auf. Bis zur Stimmungsaufhellung kann es dagegen
länger dauern. Meist verläuft die Behandlung wellenförmig.
Mögliche Rückfälle, besonders nach entsprechender Belastungen,
sollten nicht sofort zur Resignation führen. Wichtig ist, das Präparat
nicht vorschnell als wirkungslos abzusetzen. Besonders zu Beginn der Therapie muss auch auf ein anderes Phänomen geachtet werden. Manche Patienten sind seelisch körperlich völlig blockiert. Sie sind dann trotz tiefster Depression nicht in der Lage sich etwas anzutun. Da die aktivierende oft vor der stimmungsaufhellenden Wirkung eintritt, ist Gefahr der Selbsttötung in diesem Zeitraum besonders groß. Die Behandlungsdauer ist recht unterschiedlich und hängt von den Umständen ab. Eine Behandlung in der Klinik dauert zwischen vier Wochen und mehr als drei Monate, ein halbes Jahr ist nicht selten. Die weitaus meisten Patienten werden ambulant behandelt und bei diesen ist die Dauer der Behandlung meist länger. Wichtig ist es viel Geduld zu haben, da das erste Abklingen der Symptome noch nicht die Heilung bedeutet. Das wird spätestens dann deutlich, wenn es bei einer Krisensituation zu einem Rückfall kommt. Im Allgemeinen sollte nach 6-10 Wochen eine deutliche Besserung festzustellen sein. Es gibt keine festgelegte Regel, aber meist wird nach etwa 12 Wochen ohne feststellbare Verbesserung die Therapie umgestellt, zum Beispiel ein anderes Antidepressivum verschrieben. Etwa zwei Drittel der Patienten sind nach 6 Monaten symptomfrei, nach zwei Jahren steigt die Quote auf rund 80%. Es kann allerdings nach der Symptomffreiheit noch bis zu zwei Jahren dauern, bis sich alle sozialen Aspekte (Sexualität, Partnerschaft, Freizeitverhalten, Genussfähigkeit) wieder vollständig entwickelt haben. In 15 bis 30% der Fälle nimmt die Depression einen chronischen Verlauf. [2] Nach dem Abklingen der Symptome muss das Präparat noch über |
Werden Antidepressiva sehr plötzlich abgesetzt
kann es zu sogenannten Absetzerscheinungen kommen. Das sind z.B. innere
Unruhe und Spannung, Magen-Darm-Probleme, Schlafstörungen, Schweißausbrüche,
Appetitverlust, Kraftlosigkeit, Reizbarkeit sowie Kopf- und Muskelschmerzen.
Wenn die Medikamente nach und nach ausgeschlichen werden (allmähliche Verringerung der Dosis), treten diese Erscheinungen normalerweise nicht auf. Die Wahrscheinlichkeit für derartige Absetzerscheinungen hängt auch vom Medikament ab. Paroxetin und Venlafaxin sind zum Beispiel dafür bekannt, sehr oft Absetzerscheinungen zu zeigen. Ob Antidepressiva süchtig machen und ob die bekannten Absetzerscheinungen nicht tatsächlich Entzugserscheinungen sind, darüber wird auch in Fachkreisen zum Teil sehr kontrovers diskutiert. Nicht zuletzt ist das auch eine Frage der Definition von Sucht. Im Allgemeinen ist unbestritten, dass Antidepressiva generell nicht abhängig machen. Es soll an dieser Stelle jedoch nicht verschwiegen werden, dass Fälle dokumentiert wurden, in denen es Patienten aufgrund von sehr heftigen Absetzerscheinungen nur schwer oder gar unmöglich war, das Medikament abzusetzen. Das betrifft die Gruppe der SSRI, vor allem Paroxetin und Venlafaxin. [7] Gemessen an der Gesamtzahl der Verordnungen ist das jedoch ein sehr seltenes Phänomen. |
| einen Zeitraum von sechs Monaten weiter eingenommen werden.
Andernfalls besteht das Risiko, dass die Depression sehr rasch wiederkehrt.
Inzwischen wird diese Phase oft auf bis zu zwei Jahre verlängert,
um einen Rückfall noch besser zu verhindern. In besonders schweren Fällen kann eine mehrjärige, eventuell sogar lebenslange, rückfallverhütetende Behandlung nötig sein. Das betrifft vor allem Patienten:
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8. Besondere Anwendungshinweise |
8.1 Schwangerschaft und Stillzeit |
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| Grundsätzlich empfiehlt kein Hersteller ein Antidepressivum zum |
Sicherheit von Antidepressiva
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| Einsatz in der Schwangerschaft. Schädigungen des ungeborenen
Kindes durch Antidepressiva sind jedoch eigentlich nicht bekannt. Insbesondere
die schon lange genutzten Tricyclika scheinen diesbezüglich recht
sicher zu sein, da es keine entsprechenden Auffälligkeiten gibt.
Bei neueren Medikamenten gibt es oft noch zu wenig Informationen. Die
pflanzlichen Wirkstoffe wurden auch noch nicht abschliessend untersucht. Es ist jedoch bekannt, dass die meisten Wirkstoffe durch die Plazenta bzw. über die Muttermilch in den Kreislauf des Kindes gelangen. Sie haben Einwirkungen auf den Kreislauf und zeigen anticholinergene Wirkungen (siehe Kasten rechts). Bei der Einnahme von Tricyclika im Zeitraum der Geburt wurden bei einigen Kindern nach der Geburt die im Kapitel 7 beschriebenen Absetzerscheinungen beobachtet. Es konnte auch ein Zusammenhang zwischen anticholinergen Wirkungen und der Einnahme von Fluoxetin und Citalopram während der Stillzeit beobachtet werden. Ein zeitiges Abstillen liegt daher grundsätzlich nahe. Es muss jedoch auch festgestellt werden, dass auch die Symptome einer Depression, z.B. der hohe Spiegel an Stresshormonen, zur Schädigung des Kindes führen können. Mit einer Depression einher gehen oft auch eine falsche Ernährung (zuviel / zuwenig), Alkohol- und/oder Nikotinmißbrauch. Dies sind auch wichtige Faktoren, die auf das ungeborene Kind einwirken. Das Risiko der Suizidalität bei einer Depression während der Schwangerschaft muss ebenfalls in Betracht gezogen werden. [3] |
Bezüglich ihrer Sicherheit in der Schwangerschaft
werden Medikamente von der US-amerikanischen Food and Drug Administration
in vier Gruppen von A-D eigeteilt, wobei das Risiko von A nach D zunimmt.
Die fünfte Gruppe X beinhaltet Medikamente die bekannt dafür
sind Schäden zu verursachen.
A - Empfohlen: kein Wirkstoff B - kein Anhalt für ein Risiko Buporion, Johanniskraut**, Maprotilin**, Moclobemid** C - ein Risiko ist nicht ausgeschlossen Chlomipramin, Desipramin, Doxepin*, Fluoxetin*, Fluvoxamin**, Mirtazepin**, Nefazodon**, Phenelzin**, Sertalin, Tranylcypromin**, Trazodon**, Trimipramin, Venlaflaxin** D - bekanntes Risiko für den Fötus Amitriptylin, Imipramin, Lithium*, Nortriptylin, Paroxetin, Valproinsäure * = negative Effekte auf das gestillte Kind ** = keine Informationen über die Wirkung auf das gestillte Kind verfügbar. Quelle: [3] |
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Bei der Risikobewertung muss auch das Alter der werdenden Mutter berücksichtigt werden, denn mit dem Alter steigt stets auch das Risiko von Fehlgeburten oder Missbildungen. Zusätzliche Risiken durch den Einsatz von Antidepressiva sind also bei älteren Frauen kritischer zu bewerten, als bei jungen. [3] |
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Spätschäden ?
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| Die Einnahme von MAO-Hemmer muss während Schwangerschaft
und Stillzeit auf jeden Fall abgesetzt werden. Auch Lithium und Carbamazepin
sind nur mit allerhöchster Vorsicht einzusetzen, da von beiden Substanzen
bekannt ist, dass sie Missbildungen und Vergiftungserscheinungen verursachen
können. Zusammenfassend kann gesagt werden, dass Schäden durch Antidepressiva bei einem normalen Verlauf der Schwangerschaft eher nicht zu erwarten sind. Die beschriebenen antichinolergenen Symptome bei Neugeborenen klingen meist nach wenigen Tagen ab und sind im Allgemeinen gut zu behandeln. Spätere Auffälligkeiten bei der Entwicklung oder im Verhalten wurden bisher nicht beobachtet. [3] |
Das Fachmagazin Science
berichtet in seiner Ausgabe vom 29.10.2004 über Experimente an
der Columbia-Universität in New York. Dort wurde festgestellt,
dass Mäuse, die in einer bestimmten Entwicklungsstufe Fluoxetin
einnahmen, später anfälliger für psychische Störungen
wurden.
Diese Entwicklungsssufe entspräche beim Menschen den letzten Drittel der Schwangerschaft und den ersten Lebenswochen. Ob sich das Ergebnis auf Menschen übertragen lasse, sei aber unklar. |
8.2 Therapie im Alter |
| Ältere Menschen reagieren im Allgemeinen sehr viel empfindlicher auf sedierende Medikamente. Sie erfahren häufiger anticholinerge |
orthostatische Hypotonie (Dysregulation)
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| Nebenwirkungen und sind anfälliger für orthostatische
Dysregulation. Zudem liegen oft Störungen von Nieren, Leber oder
Blase vor. Im Allgemeinen wird daher auf den Einsatz Tricyclika von verzichtet. Statt dessen werden eher die Selektiven Wiederaufnahme-Hemmer |
Plötzlicher Blutdruckabfall bei einer Lageveränderung
z.B. beim Aufstehen. Die Folge sind kurzzeitige Benommenheit und Schwindel.
In starken Fällen auch Bewusstlosigkeit.
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| verschrieben. Auch Moclobemid ist im Allgemeinen nicht als problematisch anzusehen. [2] |
8.3 Therapie bei Nierenproblemen |
8.4 Therapie bei Leberstörungen |
| Da die meisten Antidepressiva über die Leber verstoffwechselt werden, besteht bei Leberfunktionsstörungen immer ein gewisses Risiko. Eine Anpassung der Dosis ist erforderlich. Unbedenklich ist Lithium, problematisch sind dagegen Trizyclika und Valproinsäure. [2] |
9. Sonstige Vorsichtsmaßnahmen |
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9.1 Allgemeines |
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| Insbesondere bei der Einnahme von dämpfenden (sedierenden) |
Grapefruitsaft
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| Antidepressiva können extreme Temperaturen,
Hitze oder Schwüle den Organismus überfordern. Die Folge sind
Kreislaufprobleme (Flimmern vor den Augen Kollaps, Schwindel). Starke
Belastungen müssen daher unbedingt vermieden werden. Vor der Behandlung mit Antidepressiva sollten eventuell bestehende Krankheiten abgeklärt werden, insbesondere:
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Viele Inhaltsstoffe von Grapefruitsaft blockieren
das Cytochrom P450 über das viele Medikamente abgebaut werden.
Die Wirkung setzt schon eine Stunde nach dem Trinken eines Glases ein
und hält dann 24 Stunden an.
Da auch die meisten Antidepressiva über diese Enzym verstoffwechselt werden, kann der Genuss von Grapefruitsaft zu einer Erhöhung der Konzentration des Wirkstoffs führen. Daraus resultieren entsprechend stärkere Nebenwirkungen. Quelle: [3] |
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| Manche Antidepressiva wirken auch auf Blutdruck
und Herzfrequenz (Puls) ein, entsprechende Vorerkrankungen schließen
daher bestimmte Medikamente aus. Je nach Medikament können regelmäßige Blutkontrollen erforderlich sein. Hierüber gibt der Beipackzettel Auskunft. Koffeinhaltige Getränke (Kaffee, Tee, Cola) fördern die innere Unruhe und können bei empfindlichen Patienten sogar auch Angstzustände auslösen. |
9.2 Straßenverkehr und Arbeitsplatz |
| Schon ohne die Einnahme von Antidepressiva sind die Betroffenen
im Verkehr und am Arbeitsplatz in ihrer Leistungsfähigkeit oft sehr
beeinträchtigt. Sedierende Antidepressiva verstärken diesen
Effekt erheblich. Vor allem zu Beginn der Behandlung mit Tricyclika oder Tetracyclika ist die Verkehrsfähigkeit im Allgemeinen nicht gegeben. Auch Arbeiten mit Sturzgefahr oder an Maschinen mit beweglichen Teilen müssen tabu sein. Verträglicher sind in dieser Hinsicht die selektiven Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer, die im Allgemeinen keine zusätzlichen Beeinträchtigungen verursachen. |
9.3 Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln |
| Antidepressiva zeigen Wechselwirkungen mit zahlreichen anderen |
Plasmaeiweißbindung (PEB)
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Medikamenten, insbesondere anderen Mitteln, die ebenfalls
auf das Nervensystem einwirken. Manchmal wird das auch bewusst zu therapeutischen
Zwecken eingesetzt. Kritisch sind u.a [L7]:
Wegen möglicher Wechselwirkungen, die auch tödlich sein können, sollten die Antidepressiva Fluoxetin und Amitriptylin nicht kombiniert werden. |
Im Blut liegen die meisten Medikamente nicht frei
vor, sondern sind an Eiweiße des Blutplasmas gebunden. Die meisten
Antidepressiva haben eine sehr hohe Plasmaeiweißbindung (PEB).
Solange ein Medikament gebunden ist, steht es als Wirkstoff nicht zur
Verfügung. Am Anfang der Therapie muss dieses Depot erst einmal
gefüllt werden, bevor genug freies Medikament als Wirkstoff zur
Verfügung steht. Die Wirkung tritt also etwas verzögert ein.
Gleichzeitig dauert die Wirkung nach dem Absetzen noch entsprechend
an, da sich das Depot nur allmählich leert.
Je höher die PEB ist, desto größer ist theoretisch die Gefahr von Interaktionen mit anderen Medikamenten. Wird die PEB durch ein neues Medikament mit hoher Affinität zur PEB gestört, wird plötzlich eine große Menge Wirkstoff frei und damit aktiv. Die plötzliche Überdosierung kann fatale Folgen haben. Andere Medikamente mit hoher PEB sind zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS, Aspirin), orale Diabetismedikamente und Mittel zur Veringerung der Blutgerinnung. |
9.4 Alkohol, Nikotin und andere Drogen |
| Mal ein Glas Wein beim Italiener oder ein Bier zum Essen
sollte im Allgemeinen keine Probleme bereiten. In Einzelfällen kann
es aber auch schon bei kleinen Mengen zu extremen Reaktionen kommen. Im Allgemeinen ist mit einer Verstärkung der Wirkungen und Nebenwirkungen, sowohl der Medikamente als auch des Alkohols zu rechnen. Insbesondere Benommenheit, Schläfrigkeit, Schwindel und Blutdruckabfall können die Folge sein. Genauso wie Alkohol werden die meisten Antidepressiva über die Leber abgebaut. Zur Vermeidung von Leberschäden sollte häufiger Alkoholkonsum unterbleiben. Der Einfluss von Nikotin wird kontrovers diskutiert. Einerseits schwächt Nikotin die Wirkungsweise von Antidepressiva, aber auf der anderen Seite scheint Nikotin ein gewisses antidepressives Potential zu haben. Bestimmte Teerverbindungen in Zigaretten können die Aktivität des Leberenzyms 1A2 erhöhen. Medikamente, die sich mit Hilfe dieses Enzyms verstoffwechselt werden, werden von Rauchern schneller abgebaut und müssen eventuell höher dosiert werden. Dies betrifft zum Beispiel Fluvoxamin und Imipramin. [L8] Wegen möglicher lebensgefährlicher Potentierungen sollte der Konsum von Drogen während der Einnahme von Antidepressiva unterbleiben. |
10. Einzelne Antidepressiva |
10.1 tricyclische Antidepressiva (TZA) ( = nicht selektive Monoamin-Wiederaufnahmehemmer) |
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Handelsnamen
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| Diese Gruppenbezeichnung tricyclisch (griechisch: drei
Ringe) läßtsich von der dreifachen Ringstruktur der Wirkstoffe
dieser Gruppe ableiten. Sie waren die ersten synthetischen Antidepressiva
die entwickelt wurden und werden heute hauptsächlich bei schwereren
depressiven Erkrankungen verabreicht. Im Gegensatz zu den neueren Antidepressiva wirken die Tricyclika auf mehrere Neutrotransmittersysteme gleichzeitig. Sie hemmen die Aufnahme von Serotonin, Noradrenalin und Dopamin was sich auf Stimmung und auf Antrieb positiv auswirkt. Gleichzeitig beeinflussen sie aber auch das Histamin, was entspannend wirkt. Allerdings gerade weil sie auf so viele Systeme gleichzeitig einwirken, haben sie viele und zum Teil erhebliche Nebenwirkungen (siehe auch Kasten antichinolerge Wirkungen im Kapitel 8). Wirkstoffe wie Imipramin, Clomipramin, Lofepramin oder Melitracen lösen Depressionen recht gut und bekämpfen unter den Tricyclika am stärksten Angst und innere Unruhe. Amitriptylin, Doxepin, Opipramol und Trimipramin regulieren dagegen vor allem zu großen Antrieb (sedierende Wirkung) und wirken dabei gut angstlösend. Sie werden daher oft auch bei Entzugssymptomen eingesetzt und haben sich auch bei Depressionen mit körperlichen Beschwerden bewährt. Dibenzipin wirkt vergleichsweise gering sedierend. Während die meisten Tricyclika vor allem die Wiederaufnahme von Serotonin hemmen, sind Desipramin, Lofepramin, Nortriptylin und Protriptylin überwiegend Noradrenalin Wiederaufnahme Hemmer. Sie wirken im allgemeinen positiv auf den Antrieb, jedoch erst spät stimmungsauffhellend und dämpfen Ängste nur leicht. Typische Nebenwirkungen sind: Mundtrockenheit, Miktionsstörungen, orthostatische Dysregulation anticholinergene Effekte, Tremor, epileptische Anfälle, Sedierung, Gewichtszunahme und Änderungen im Blutbild. Eine besondere Gefahr besteht in der Erhöhung des Augendrucks bei vorher nicht erkanntem grünen Star. Das kann einen Glaukomanfall auslösen. Eine Kontrolle durch den Augenarzt ist daher wichtig. Tricyclische Antidepressiva finden in sehr niedriger Dosierung auch als Schmerzmittel (vor allem Amitryptilin und Clomipramin), sowie |
Amineptin (siehe Kapitel 10.10)
Amitriptylin: Amineurin, Amitriptylin (diverse Firmen), Elavil, Laroxyl, Novoprotect, Saroten, Syneudon, Tryptizol Amitriptylinoxid: Equilibrin, Equilibrium Amoxapin:Asendin Butriptylin: Clomipramin: Anafranil, Clomipramin (diverse Firmen), Hydiphen Desipramin: Norpramin, Pertofran, Pertylyl Dibenzepin: Noveril Dimethacrin: Dosuleptin: Idom Doxepin: Adapin, Aponal, Doneurin, Doxepin (diverse Firmen), Mareen, Sinequan Imipramin: Imipramin neuraxapharm, Pryleugan, Tofranil Iprindol: Lofepramin: Gamonil Melitracen: Deanxit*, Dixeran, Leanxit* * = Kombinationspräperat Nortriptylin: Aventyl, Nortrilen, Pamelor Opipramol: Insidon Protriptylin: Vivactil Quinupramin Trimipramin: Stangyl, Surmontil, Trimipramin (diverse Firmen) |
|
| als Muskelrelaxans und Einschlafhilfe Anwendung. | ||
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Miktionsstörungen
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| In ihrer Wirkung auf das Herz gleichen Tricyclika den sogenannten Antiarrhythtmika, die in Studien bei Herzkranken zu einer erhöhten Sterblichkeit führten. Die Selektiven Wiederaufnahme-Hemmer scheinen für diese Patientengruppe die bessere Alternative zu sein, |
Störungen beim Harn lassen bis zum völligen
Harnverhalten. Besonders bei männlichen Patienten mit Problemen
mit der Vorsteherdrüse (Prostata).
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|
| obwohl auch hier noch kaum Studien vorliegen. [4] | ||
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Tremor
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| Tricyclika dürfen nicht eingesetzt werden bei [2]: |
Zittern, zumeist in leichter Form,
vor allem der Hände.
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10.2 tetracyclische Antidepressiva |
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| Analog zu den Tricyclika leitet sich die Bezeichnung tetracyclisch |
Handelsnamen
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| (griech.: vier Ringe) von der Struktur der Wirkstoffe ab.
Hier ist es entsprechend eine vierfache Ringstruktur. Tetracyclika wirken ähnlich wie die Tricyclika, wobei sie insgesamt einen stärkeren Einfluss auf das Noradrenalin haben und deshalb in |
Maprotilin: Aneural, Deprilept, Kanopan, Ludiomil,
Maprolu, Mirpan, Psymion
Mianserin: Hopacem, Mianeurin, Prisma, Tolvin, Tolvon |
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| der Tendenz eher antriebssteigernd wirken. Im Allgemeinen
wirken sie aber weniger auf den Neurotransmitterhaushalt und zeigen daher
zwar weniger Nebenwirkungen, sind dafür aber auch weniger wirksam,
als die Tricyclika. Typische Nebenwirkungen sind: orthostatische Dysregulation, Verwirrtheit, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Krampfanfälle. Besonders bei Mianserin kann es zu Veränderungen im Blutbild kommen, eine engmaschige Kontrolle ist daher zwingend. Aufgrund der Art der Nebenwirkungen wird für die ambulante Behandlung inzwischen weniger auf die Tricyclika und Tetracyclika zurückgegriffen. Sie bewähren sich jedoch weiterhin bei der stationären Behandlung und bei schweren Fällen. |
10.3 Selektive Serotonin Wiederaufnahme Hemmer (SSRI) |
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| Im Gegensatz zu den nicht spezifisch wirkenden Tricyclika und den |
Sexuelle Dysfunktionen
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| Tetracyclika blockieren die selektiven Serotonin Wiederaufnahme
Hemmer (englisch: Selective Seretonine Reuptake-Inhibitors,
daher SSRI) ausschließlich die Rezeptoren, die für die Wiederaufnahme
des Serotonins verantwortlich sind. Dadurch erhöht sich die Konzentration
des Serotonins im synaptischen Spalt, was sich vor allem in Aktivierung,
Stimmungsaufhellung und Angstlösung äußert. Wenn ein dämpfender Effekt gewünscht ist, müssen zusätzliche Medikamente verabreicht werden (Tranquilizer, Tricyclika), was die Vorteile der SSRI in der Regel wieder aufhebt. Da die SSRI nicht die Rezeptoren für die anderen Neurotransmitter beeinflussen, sind die Nebenwirkungen entsprechend geringer. So machen sie kaum müde und wirken nur wenig appetitanregend. Vor allem aber zeigen sie keine anticholinergen Effekte. Sie werden deshalb inzwischen oft den klassischen Antidepressiva vorgezogen, vor allem in der ambulanten Behandlung. Typische Nebenwirkungen der SSRI sind: Übelkeit, Durchfall, Sedierung, Sexualstörungen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Unruhe, Störungen des Schlafs, Sedierung, Appetitlosigkeit. Viele SSRI blockieren das Enzym Cytochrom P 450, über dessen Wirksystem viele andere Medikamente abgebaut werden. Sie können daher die Wirkung dieser Medikamente vervielfachen, z.B. |
Obwohl verhältnismäßig
selten, fühlen sich die Betroffenen von sexuellen Fehlfunktionen
aufgrund der Einnahme von SSRI besonders belastet. Typisch sind Libidoverllust,
Verzögerung oder Unfähigkeit den Orgasmus zu erreichen, bei
Männern zusätzlich Probleme bei der Erektion und Ejakulation.
Wie fast alle Nebenwirkungen lassen auch die sexuellen Dysfunktionen in
der Regel nach einigen Wochen nach. Es muss aber auch daran gedacht werden, dass andere Medikamente wie Betablocker oder Östrogene, Rauchen und Alkohol ebenfalls zu sexuellen Störungen führen können. Auch die Depression selbst vermidert die sexuelle Lust. Halten die Dysfunktionen an, kann man versuchen durch Änderung der Dosis oder Einnahmezeit eine Besserung zu erreichen. In schweren Fällen, kann ein anderes Antidepressivum eingesetzt werden oder zusätzliche Medikamente eingenommen werden, die es für alle oben beschriebenen Fälle gibt. |
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| die Wirkung anderer Antidepressiva, die gleichzeitig eingenommen | ||
| werden. |
Halbwertszeit
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Als erstes SSRI wurde Fluoxetin 1988 (USA) in den Markt eingeführt und stand schon 1994 an dritter Stelle der umsatzstärksten Medikamente. Fluoxetin und seine Metaboliten, bleiben relativ lange im Körper wirksam (Halbwertszeit: Fluoxetin 2-3 Tage, Norfluoxetin (Metabolit): 7-14 Tage). Das ist von Vorteil, um Rückfälle bei einer unregelmäßigen Einnahme zu verhindern. Es erschwert aber den raschen Umstieg auf ein anderes Medikament, falls sich Fluoxetin als wirkungslos zeigt. Unter Fluoxetin kann es in Einzelfällen zum Auftreten eines Ausschlages oder anderer allergischer Phänomene kommen. Falls hierfür keine andere Ursache gefunden wird, sollte Fluoxetin sofort abgesetzt werden, da dies das Signal für eine schwere systemische |
Der Zeitraum, in der die Hälfte der ursprünglich
vorhandenen Menge einer Substanz abgebaut wird. Beispiel: Eine Substanz
hat eine Halbwertszeit von zwei Tagen. Die Anfangsmenge beträgt
100 g (g = Gramm). Nach zwei Tagen ist die Hälfte der ursprünglichen
Menge (50 g) abgebaut. Es verbleiben also 50 g (dies ist jetzt die neue
Ausgangsmenge). Nach weiteren zwei Tagen wurde wieder die Hälfte
(jetzt also 25 g) abgebaut. Nach insgesamt 4 Tagen verbleiben also noch
25 g. Nach 6 Tagen verbleiben 12,5 g usw.
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| Erkrankung und möglicherweise Vaskulitis sein kann. [5] | ||
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Metaboliten
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| Ebenso wie Fluvoxamin wird Fluoxetin auch bei Zwangs-
und Panikstörungen, sowie bei Bulimie eingesetzt. Bei übergewichtigen Personen führte Fluoxetin in höheren Dosen zu statistisch signifikanten Gewichtsreduktionen. [4] Citalopram ist der selektivste Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer. Es ist schneller wirksam als Fluoxetin und zeigt keine oder nur geringe Affinität zu anderen Rezeptoren. Entsprechend gering fallen die Nebenwirkungen aus. Citalopram ist zugelassen für viele Arten von Depressionen und ist bei Panikstörungen ähnlich wirksam wie Paroxetin. Eine Weiterentwicklung des Citalopram ist das Escitalopram, das |
Als Metaboliten werden die Substanzen bezeichnet,
die bei der Zersetzung eines Produktes bei der Verstoffwechselung entstehen.
Manche Metaboliten können eigene Wirkungen auf den Körper
haben, die dem des Ursprungsproduktes ähnlich sein können.
Sie werden als aktive Metaboliten bezeichnet. Andere haben keine weiteren
Wirkungen und werden als passive Metaboliten bezeichnet.
Ein aktiver Metabolit ensteht z.B. auch beim Abbau von Alkohol im Körper. Diesem verdanken wir den Kater am nächsten Tag. |
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| 2003 zugelassen wurde. Citalopram ist eigentlich ein Razemat aus | ||
| einem rechtsdrehenden (R-) und einem linksdrehenden (S-) |
Razemat / Enantiomer
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| Enantiomer. Eine antidepressive Wirkung zeigt nur die linksdrehende Variante. Die rechtsdrehende Variante ist nicht nur wirkungslos, sondern scheint dem Effekt sogar entgegenzuwirken. Das war zwar schon lange bekannt, doch fehlten die technischen Möglichkeiten zur Trennung der beiden Komponenten. Das reine (S)-Citalopram hat eine nochmals erhöhte Selektivität, wirkt bereits in erheblich niedrigerer Dosierung und zeigt auch entsprechend weniger Nebenwirkungen. Auch soll die Wirkung sehr viel schneller eintreten. Erfreulicherweise ist - verglichen mit der entsprechenden Dosis Citalopram - Escitalopram sogar preiswerter. Es spricht also nur noch wenig für die klassische Variante. Neben der verstärkten antidepressiven Wirkung, zeigt sich die Weiterentwicklung des Citalopram jetzt auch deutlich verbessert in der anxiolytischen, also der angstlösenden Wirkung und schlägt in Studien das bis dato überlegene Paroxetin. Sowohl bei Angst-, als auch bei Depressionspatienten wurde zudem eine geringere Rückfallquote nach dem Absetzen festgestellt. Paroxetin ist neben dem Citalopram der selektivste aller Serotonin Wiederaufnahme-Hemmer. In Studien wurde seine Wirksamkeit gut belegt. Unter den SSRI weist Paroxetin die geringste Affinität zu den Histamin und Acetylcholin Rezeptoren auf. Die entsprechenden Nebenwirkungen fallen daher sehr gering aus. |
Links- und rechtsdrehende Moleküle? Das kennt
man doch vom Joghurt. Aber was steckt dahinter?
Es handelt sich dabei um spezielle Moleküle, die zueinander gleich sind, wie Bild und Spiegelbild, so wie zum Beispiel auch unsere Hände. Scheinbar gleich, aber doch unterschiedlich. Die beiden einzelnen Moleküle werden Enantiomere genannt. Um sie zu unterscheiden, werden sie mit einem R bzw. einem S gekennzeichnet. Das Gemisch beider Enantiomere wird Razemat genannt. Da die chemischen und physikalischen Eigenschaften der beiden Enantiomere praktisch identisch sind, ist eine Trennung des Razemates sehr schwierig und technisch extrem aufwändig. In vielen biologischen Systemen ist jedoch meistens nur eines der beiden Enantiomere aktiv, das andere ist passiv oder hat ganz andere Wirkungen. Ein schönes Beispiel ist die Verbindung Limonen. S-Limonen riecht nach Terpentin, das R-Limonen riecht nach Orange. Das Razemat dagegen riecht nach Zitrone. |
| Paroxetin ist neben dem Tricyclikum Clomipramin das wichtigste |
Handelsnamen
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| Mittel zur Behandlung von Panikstörungen.
Verglichen mit Fluoxetin wirkt es schneller und auch stärker angstlösend.
Dabei zeigt es allerdings weniger Nebenwirkungen als das Tricyclikum Clomipramin. Es ist ferner zugelassen zur Behandlung sozialer Phobien. Sertalin hat verschiedene günstige Eigenschaften. Es ist von Beginn an ohne Einschleichen dosiert werden und für ältere Patienten muss keine spezielle Anpassung der Dosis erfolgen. Es hat eine geringe Halbwertszeit (1 Tag) und bildet auch keine aktiven Metaboliten. Vor allem aber hemmt es das Enzym Cytochrom P450 weniger als die anderen SSRI. Es hat daher wesentlich weniger Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten. Sertalin ist indiziert zur Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen indiziert, sowie zur rückfallverhütenden Prophylaxe. Es wird auch angewendet bei Zwangs- und Panikerkrankungen, sowie bei posttraumatischen Belastungsstörungen. Bei Zwängen ist es vom Hersteller für Kinder ab 6 Jahren freigegeben. [5] Plötzliches Absetzen führt bei den SSRI in über der Hälfte der Fälle zu den im Kapitel 7 bereits beschriebenen Absetzerscheinungen. Besonders häufig sind diese bei Paroxetin, am seltensten bei Fluoxetin. Es ist daher wichtig bei diesen Medikamenten die Dosis |
Citalopram: Apertia, Celexa, Cipram, Cipramil,
Citadura, Citralopram (diverse Hersteller), Seralgan, Sepram, Serital,
Seropram
Escitalopram: Cipralex, Lexapro Fluoxetin: Felicium, Fluctin, Fluctine, Fluneurin, Fluocim, Fluox, Fluoxa, Fluoxemerck, Flux, Fluoxetin (diverse Hersteller), Fluoxibene, Fluxil, Fluoxifar, Fluoxistad, Flusol, Fluxet, Fysionorm, Mutan, Positivum, Prozac, Puren Fluvoxamin: Desiflu, Felixsan, Faverin, Fevarin, Flox-ex, Floxyfral, Flurohexal, Fluvoxadura, Fluvoxaminmaleat-Solvay, Luvox Paroxetin: Deroxat, Ennos, Euplix, Paroxat, Paroxedura, Paroxetin (diverse Hersteller), Paxil, Seroxat, Tagonis Sertalin: Gladem, Lustral, Tresleen, Zoloft |
| am Ende der Therapie langsam zu reduzieren. Besonders bei
Paroxetin kann es jedoch auch trotz langsamen Ausschleichens zu teils
heftigen Absetzerscheinungen kommen. In einer Untersuchung hat eine Arbeitsgruppe der britischen Zulassungsbehörde für Arzneimittel bei Kindern- und Jugendlichen ein leicht erhöhtes Suizid-Risiko unter SSRI festgestellt, dies gelte jedoch nicht bei Erwachsenen. Es wurde daher die Empfehlung ausgesprochen SSRI nicht bei Kindern- und Jugendlichen einzusetzen. [6] |
10.4 Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer (NARI) |
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| Die NARI wirken analog zu den SSRI lediglich auf das Noradrenalin. |
Handelsnamen
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| Das hilft vor allem Patienten, die unter Antriebslosigkeit leiden, die ihren Alltag kaum bewältigen können und mit fehlenden sozialen Kontakten zu kämpfen haben. Im Vergleich zu den Tricyclika und |
Reboxetin: Edronax, Solvex
Viloxazin: Vivalan |
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| SSRI tritt eine raschere Verbesserung der sozialen Fähigkeiten
auf. Reizempfinden, Interesse und Motivation werden gesteigert. Für Reboxetin wird angegeben, dass es ohne Einschleichen sofort in der vollen Wirkdosis verabreicht werden kann. Die antidepressive Wirkung soll schon nach 14 Tagen einsetzen. Ein Vorteil der Substanz ist auch, dass Reboxetin unabhängig von Mahlzeiten eingenommen werden kann. Reboxetin sollte nicht eingesetzt werden bei Patienten, die unter Krampfanfällen oder bipolaren Depressionen leiden. Männer berichteten deutlich häufiger als Frauen (ca. 10:1) über Nebenwirkungen im Urogenitalsystem. In Studien wurde belegt, dass bei Anwendung von Reboxetin gegenüber einer mit Placebos behandelten Kontrollgruppe, sogar eine leicht geringere Selbstmordrate auftrat. Trotz des antriebssteigenden Effektes scheint Reboxetin also auch bei selbstmordgefährdeten Patienten sicher anwendbar zu sein. Viloxazin etwas weniger selektiv als Reboxetin. Typische Nebenwirkungen der NARI sind: Mundtrockenheit, Verstopfung, Müdigkeit, Schlaflosigkeit, vermehrtes Schwitzen, Schwindel und Miktionsstörungen. |
10.5 Serotonin Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer (SNRI) |
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| Eine recht neue Medikamentengruppe am Markt, sind die Serotonin- |
Handelsnamen
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| Noradrenalin Wiederaufnahme-Hemmer. Der Wirkstoff Venlafaxin hemmt sowohl die Wiederaufnahme von Serotonin als auch von Noradrenalin und wirkt dadurch gleichzeitig stimmungsaufhellend und antriebssteigernd. Die Wirkung auf das |
Venlafaxin: Efectin, Efexor, Effexor,
Trevilor
Milnacipran: Dalcipran, Ixel Duloxetin: Cymbalta (ca. ab Anfang '05) |
|
| Noradrenalin setzt allerdings erst mit höherer Dosierung
ein. In sehr hoher Dosierung verhindert es zusätzlich die Wiederaufnahme
von Dopamin. Dementsprechend ergeben sich bei niedriger Dosierung den
SSRI vergleichbare Nebenwirkungen wie Übelkeit, Unruhe, Schlafstörungen
und sexuelle Funktionsstörungen. Bei höherer Dosis können
hinzukommen: Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, Bluthochdruck, Schwindel,
Tremor, oder Müdigkeit. Aufgrund möglicher Nebenwirkungen sollte Venlafaxin bei Patienten mit Herzerkrankungen nicht verabreicht werden. [6] Ähnlich wie bei den SSRI kommt es beim plötzlichen Absetzen von Venlafaxin häufiger zu Absetzerscheinungen. Das Medikament sollte am Ende der Therapie daher langsam ausgeschlichen werden. [6] Milnacipran hemmt dagegen die Wiederaufnahme von Serotonin und Noradrenalin im gleichen Maße. Es hat eher Noradrenalin typische Nebenwirkungen wie Übelkeit, Kopfschmerzen, Mundtrockenheit, Schwitzen und Tremor. Mit dem Wirkstoff Duloxetin steht voraussichtlich ab Anfang 2005 ein weiteres Präperat aus dieser Gruppe zur Verfügung, dass recht vielversprechend zu sein scheint. Die Studien zeigen ein besseres Ergebnis als bei SSRI bei nochmals verringerten Nebenwirkungen. Insbesondere beobachtete man keine Erhöhung des Blutdrucks und keine Gewichtszunahme. [1] Neben der antidepressiven Wirkung zeigte sich Duloxetin in den Studien auch erfolgreich bei der Linderung von somatischen Beschwerden (Schmerzen), die nicht selten mit einer Depression einher gehen. Dabei scheint Duloxetin die Schmerzen nicht nur indirekt über die Verbesserung der Depression zu erreichen, sondern ein eigenes analgetisches (schmerzlinderndes) Potential zu haben. Falls sich das bestätigt steht damit erstmals ein schmerzlinderndes Antidepressivum zur Verfügung, das keine sedierenden Eigenschaften hat. Durch die Reduktion der Schmerzen reduzierte sich auch die Rückfallrate gegenüber den Patienten, die nach der Behandlung mit Antidepressiva noch über somatische Beschwerden klagten. [1] Ein weiteres Anwendungsgebiet von Duloxetin wird die Behandlung des stressbedingten Harnabgangs sein, unter dem vor allem Frauen leiden. Hierfür gab es bisher noch kein spezifisches Medikament. [1] |
10.6 MAO-Hemmer |
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| Anders als die anderen bisher genannten Wirkstoffe, blockieren oder |
Tyraminhaltige Lebensmittel
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| aktivieren die Mono-Amino-Oxidase (MAO) Hemmer nicht die
Rezeptoren in den Nervenzellen. Vielmehr wirken sie, indem sie das Enzym
Mono-Amino-Oxidase blockieren. Dieses Enzym ist für den Abbau der
Neurotransmitter in der Zelle verantwortlich. So steigt die Konzentration
der Neurotransmitter in der Zelle an und im Bedarfsfall steht so eine
größere Menge an Neurotransmittern zur Verfügung. Der erste MAO-Hemmer, der zur Verfügung stand, war das Tranylcypromin. Diese Substanz ist selbst bei schwersten Depressionen wirksam, bei denen andere Antidepressiva nicht helfen. Allerdings ist der Wirkstoff schlecht verträglich und hemmt beide Untertypen (A und B) der Mono-Amino-Oxidase. Dadurch können einige Neurotransmitter, wie z.B. das Tyramin nicht mehr |
Bestimmte Lebensmittel enthalten von Natur aus
die Substanz Tyramin, die ebenfalls ein Neurotransmitter ist. Bei der
Einnahme von Tranylcypromin müssen diese Lebensmittel unbedingt
vermieden werden, um gefährliche Brutdruckkrisen zu vermeiden.
Tyraminhaltige Lebensmittel sind u.a.: Käse, geräucherter oder eingelegter Fisch, geräucherte Fleischwaren, Leber, Weintrauben, Wein, Bier, Schokolade und Feigen. |
|
| abgebaut werden. Ein erhöhter Gehalt an Tyramin im Körper kann | ||
| jedoch einen starken Blutdruckanstieg verursachen. |
Handelsnamen
|
|
Tranylcypromin bewirkt außerdem eine Zerstörung der Mono-Amino Oxidase, die Hemmung ist daher nicht reversibel. Der Wirkstoff wird daher auch als irreversibler MAO-Hemmer bezeichnet. Da der Wiederaufbau der Mono-Amino-Oxidase bis zu drei Wochen dauern kann, halten Wirkungen und Nebenwirkungen auch entsprechend lange an. Aufgrund dieser möglicherweise sehr gefährlichen Nebenwirkungen und der starken Einschränkungen denen der Patient unterliegt, wird Tranylcypromin heute nur noch in wenigen Fällen und nur noch bei stationären Behandlungen eingesetzt. |
Isocarboxazid: Marplan
Moclobemid: Aurorix, Moclebemid (diverse Hersteller) Phenelzin: Nardil Selegilin: Selegilin Tranylcypromin: Jatrosom, Parnate |
|
Mit dem Wirkstoff Moclobemid steht inzwischen auch ein sogenannter reversibler MAO-Hemmer zur Verfügung, der die MAO nicht zerstört, sondern nur blockiert. Moclobemid hemmt auch nur den Typ A der Mono-Amino-Oxidase, so dass das Tyramin noch über den Untertyp B abgebaut werden kann. Daher wird Moclobemid auch oft mit RIMA (Reversibler Inhibitor der Mono-Amino-Oxidase A) abgekürzt. Eine Diät ist nicht mehr erforderlich. Moclobemid wirkt gut bei sozialen Phobien und schweren, jedoch nicht bei schwersten Depressionen. Während Moclobemid selektiv auf den Untertyp A der MAO wirkt, blockiert Selegilin selektiv, aber irreversibel den Untertyp B. Zwischen der Einnahme von MAO Hemmern und anderen Antidepressiva muss eine mehrwöchige Pause liegen, da es sonst zu unvorhersehbaren Wechselwirkungen mit möglicherweise tödlichem Ausgang kommen kann ("Serotonin Syndrom"). Typische Nebenwirkungen der MAO-Hemmer sind: orthostatische Dysregulation, Schwindel, Unruhe, Kopfschmerzen oder Blutdruckkrisen. |
10.7 Atypische Antidepressiva |
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| Mirtazapin blockiert die Rezeptoren an der Außenseite der Zelle, |
Handelsnamen
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| die melden, dass der jeweilige Neurotransmitter ausgeschüttet wurde, so dass die Zelle weiterhin Neurotransmitter in den synaptischen Spalt ausschüttet. Mirtazapin steigert die Ausschüttung sowohl von Serotonin, als auch von Noradrenalin. Es ist nur wenig belastend für den Kreislauf und wird daher oft älteren Patienten verschrieben. Dadurch dass es nur auf bestimmte Serotonin Rezeptoren blockierend wirkt, werden die typischen Nebenwirkungen der SSRI wie Übelkeit, Durchfall, Schlaf- und |
Alprazolam: Cassadan, Tafil
Mirtazapin: Remergil, Remeron, Zispin Nefazodon: Dutonin, Nefadar, Serzone Tianeptin: Stablon Trazodon: Desyrel, Thombran, Trittico |
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| Sexualstörungen vermieden. Diese spezielle
Blockade bewirkt derzeit kein anderes Antidepressivum. Die zusätzliche
Wirkung auf das Histamin ist jedoch verantwortlich für Nebenwirkungen
wie Appetit- und Gewichtszunahme und Sedierung. Mirtazapin macht nach der Einnahme im Allgemeinen recht schnell müde und sollte daher nur abends eingenommen werden. Der schlafanstoßende Effekt ist so gut, dass Mirtazapin kurzzeitig auch oft als Einschlafhilfe verabreicht wird. Der Vorteil gegenüber einem herkömlichen Schlafmittel ist der fehlende "Hang-over Effekt" (andauernde Müdigkeit) am nächsten Morgen. Der schlafanstoßende Effekt unterstützt auch die schmerzlindernde Wirkung von Mirtazapin. Betroffene mit chronischen Schmerzen empfinden es als Wohltat endlich wieder schlafen zu können. Es ist das einzige Antidepressivum neben den Tricyclika, dessen schmerzstillende Wirkung belegt ist. Die Wirkung setzt in der Regel nach vier bis acht Tagen ein. [1] Unter Mirtazapin wurden Veränderungen des weißen Blutbildes beobachtet. In den ersten Wochen der Behandlung wird daher eine regelmäßige Kontrolle des Blutbildes empfohlen. Dagegen hemmt Mirtazapin das Enzym Cytochrom P 450 nicht. Es treten daher praktisch keine Wechselwirkungen mit anderen Präparaten auf. Nefazodon wirkt auf beiden Seiten der Synapse. Einerseits erhöht es selektiv die Serotonin Ausschüttung durch die Blockade der entsprechenden Rezeptoren und gleichzeitig blockiert es bis zu einem gewissen Maß die Wiederaufnahme des Serotonins aus dem synaptischen Spalt. Die Angstlösung erfolgt rasch und zuverlässig. Auch der stimmungsaufhellende Effekt tritt relativ rasch ein. Gleichzeitig beseitigt Nefazodon Schlafstörungen, ohne jedoch besonders sedierend zu wirken. Es ist der einzige Wirkstoff, der ein natürliches Schlafverhalten fördert im Gegensatz zu den SSRI, die Schlafstörungen bewirken. Typische Nebenwirkungen von Nefazodon sind Übelkeit, Schwindel, orthostatische Dysregulation, und Mundtrockenheit. Dagegen verursacht es kaum Sexualstörungen. In Europa wird Nefazodon aufgrund der Diskussion über die Gefahr schwerer Nebenwirkungen seit 2003 nicht mehr vertrieben. Das Mittel wird mit weltweit 26 Fällen in Verbindung gebracht, in denen es zu schweren Leberschäden kam. In 10 Fällen war eine Lebertransplantation erforderlich. Insgesamt 13 Personen starben. [4] Tianeptin ist in Deutschland nicht erhältlich. In Frankreich ist es seit 1989, in Österreich seit 1999 zugelassen. Im Gegensatz zu allen anderen Antidepressiva beruht der Wirkungsmechanismus von Tianeptin auf einer Verstärkung der Wiederaufnahme von Serotonin, anstatt dieses zu hemmen. Das Medikament widerspricht damit gängigen Theorien. Es erhöht außerdem die Feuerungsrate der Neuronen im Hippocampus. Andere Neurotransmitter und die MAO-Aktivität werden nicht beeinflusst. Ein weiterer Vorteil liegt darin, dass es nicht über das Cytochrom P450 metabolisiert wird. Es zeigt daher eine gute Verträglichkeit mit vielen Medikamenten. Tianeption hat auch eine angstlösende Wirkung ohne dabei sedierend zu wirken. [8] Trazodon hemmt die Serotonin Wiederaufnahme nur schwach und wird bei Depressionen mit begleitenden Angst- oder Schlafstörungen eingesetzt. Da es zum Teil auch erektionsfördernd wirkt, wird es oft Patienten mit sexuellen Funktionsstörungen verschrieben. Im Gegensatz zu den meisten anderen Antidepressiva kann Trazodon auch von Patienten eingenommen werden die unter einem Glaukom, Prostatabeschwerden oder Herzproblemen leiden. [5] Typische Nebenwirkungen von Trazodon sind orthostatische Dysregulation, Gewichtszunahme, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Schwindel. Gelegentlich kommt es auch zu einer schmerzhaften Dauererektion (Priapismus). |
10.8 Lithium / Phasenprophylaktika / Antiepileptika |
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| Lithium ist kein Antidepressivum im eigentlichen Sinne. Es wird aber |
Handelsnamen
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| erfolgreich zur Verhinderung von Rückfällen eingesetzt.
Außerdem wird es bei Patienten mit eine bipolaren Depression (siehe
Kasten rechts) eingesetzt, um den Wechsel der Stimmungen zu unterbinden.
Ein weiteres Einsatzgebiet von Lithium ist die sogenannte Augmentation.
Dabei wird eine kleine Dosis Lithium (oder eines anderen Mittels) eigesetzt,
um die Wirksamkeit des Antidepressivums zu erhöhen. Die Wirkungsweise von Lithium ist weitgehend unbekannt da es auf zahllose Prozesse im menschlichen Körper einwirkt. Während der Schwangerschaft darf Lithium wegen einer möglicher Toxizität für |
Lithium: Hypnorex, Neurolepsin, Quilonorm
Carbamazepin: Finlepsin, Neurotop, Oxcarbazepin, Timonil, Trileptal, Tegretal Valproat / Valproinsäure: Convulex, Dapakine, Leptilanil Lamotrigin: Elmendos, Lamictal Olanzapin: Zyprexa |
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| das Kind nicht eingenommen werden. Typische Nebenwirkungen sind Gewichtszunahme, Tremor, Kreislaufstörungen, Übelkeit, Erbrechen, Veränderungen im Blutbild, Müdigkeit und eine Senkung des Stoffwechsels. |
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Bipolare Störungen
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| Neben Lithium gibt es inzwischen neuere Wirkstoffe,
die ebenfalls Rückfälle und Phasenwechsel verhindern können
wie z.B. Carbamazepin, Lamotrigin, Olanzapin und Valproat. Einige dieser
neuen Wirkstoffe wurden zuerst zur Behandlung von Epilepsie oder Schizophrenie
eingesetzt, bevor man die positive Wirkung auch bei Depressionen erkannte.
Bei Patienten, die diese Medikamente verschrieben bekommen, entsteht dadurch
oft die Befürchtung, sie würden womöglich auch an Schizophrenie
oder anderen Krankheiten leiden. Das ist jedoch normalerweise nicht der
Fall. Alle Phasenprophylaktika müssen über einen sehr langen Zeitraum eingenommen werden (mehrere Jahre), unter Umständen kann eine lebenslange Einnahme erforderlich sein. Eine gründliche Beratung und Untersuchung durch einen Facharzt ist daher unerläßlich. Eine erfolgreiche Therapie verlangt von den Patienten ein hohes Maß an Disziplin und Zusammenarbeit, zumal der Schutz vor Rückfällen erst nach einigen Monaten wirksam wird. Nach dem Absetzen der Behandlung endet der Schutz rasch. Unregelmäßigkeiten bei der Einnahme und kurze Unterbrechungen können daher alle Bemühungen zunichte machen. Die Konzentration des Lithiums im Blut muss regelmäßig genau kontrolliert werden. Zur Verhinderung von Rückfällen hat sich inzwischen auch eine Dauertherapie mit Trizyclika oder neueren Antidepressiva wie z.B. Venlafaxin, Reboxetin und Mirtazapin als erfolgreich herausgestellt. SSRI scheinen hier weniger Erfolge zu erzielen. |
Eine spezielle Form der Depression ist die sogenannte
bipolare Störung, früher auch als manisch-depressive Störung
bezeichnet. Hierbei kommt es nicht nur zu depressiven Verstimmungen,
sondern auch zu Phasen mit ausgesprochener Aktivität, Selbstüberschätzung
oder Maßlosigkeit - der Manie.
Beide Phasen können jeweils über Tage, Monate oder Jahre anhalten, wobei depressive Phasen etwa drei Mal häufiger auftreten als manische. Bipolare Störungen sind chronisch und verlaufen meist kompliziert. Die Behandlung erfolgt vor allem mit Phasenprophylaktika wie Lithium, welche die Zeiträume zwischen den beiden Phasen verlängern. Vor allem in der Akuttherapie werden auch andere als die hier aufgeführten Neuroleptika (siehe Kasten im Kapitel 2) eingesetzt. Diese werden hier allerdings nicht im Detail aufgeführt, da dieser Text auf Antidepressiva spezialisiert ist. |
10.9 Phytopharmaka |
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| Von den Heilpflanzen mit Wirkung auf die Psyche ist vor allem das |
pflanzliche Antidepressiva
|
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| Johanniskraut wirksam. Es kann gegen leichte bis mittelschwere
Depressionen eingesetzt werden. Wenn zusätzlich noch Angst und innere
Unruhe auftreten, wird es oft mit Baldrian, Hopfen, Passionsblume und
Melisse kombiniert. Wie verschiedene Studien bewiesen haben, ist Johanniskraut bei kurzzeitiger Behandlung von leichten bis mittelschweren Depressionen ebenso gut, wie die synthetischen Tricyclika. Es ist |
Neben dem Johanniskraut haben sich noch andere
Heizpflanzen als hilfreich bei Depressionen erwiesen wie z.B. Baldrianwurzel,
Passionsblumenkraut, Hopfenzapfen und Melissenblätter. Das ebenfalls
lange verwendete Kava-Kava wurde 2002 verboten, da es zu schweren Leberschäden
führen kann.
|
|
| aber besser verträglich. | ||
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Medizin aus dem Supermarkt
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| Wie das Johanniskraut auf den Körper wirkt und welches
genau die wirksamen Bestandteile der Pflanze sind, ist noch nicht genau
bekannt. Vermutlich ist das der Bestandteil Hypericin. Es wird vermutet,
dass die Mono-Amino-Oxidase und damit der Abbau der Neurotransmitter
blockiert wird. Außerdem scheinen die Wirkstoffe auch als Wiederaufnahme-Hemmer
zu fungieren. Es sind zahllose Medikamente erhältlich, die auf Johanniskraut basieren und zum Teil auch frei verkäuflich sind (siehe Kasten rechts). Durch welche Art der Zubereitung (Tabletten, Tee, alkoholische Lösung etc.) der beste Wirkstoff gewonnen werden kann ist unklar. Normalerweise wird eine tägliche Dosis von 900 mg (mg = Milligramm) Extrakt empfohlen, verteilt auf drei Dosen von jeweils 300 mg. Da auch die Präparate auf Basis von Johanniskraut nicht frei sind von Nebenwirkungen und Wechselwirkungen verursachen, sollten höhere Dosen nicht eingenommen werden. Wechselwirkungen gibt es mit vielen Medikamenten, entsprechende Vorsicht ist geboten. Vor allem mit anderen Antidepressiva und mit Medikamenten, welche die Blutgerinnung hemmen (z.B. Marcumar). Die gleichzeitige Einnahme von Antibabypillen sollte unterbleiben. |
In zahllosen Varianten sind Präperate auf
Basis von Johanniskraut frei verkäuflich im Supermarkt erhältlich.
Diese eignen sich jedoch nicht zur Behndlung von Depressionen (öko-test
10/2004, im Test 18 Mittel, 17 x ungenügend, 1 x mangelhaft).
Für alle diese Mittel gilt, dass die erzielte Dosis viel zu niedrig
ist und das der Wirkstoffgehalt relativ stark schwankt. Eine eventuell
festgestellte Wirkung scheint eher auf einem Placebo Effekt zu beruhen.
Aber in manchen Fällen scheint das ja ausreichend zu sein.
Bei den im Text links besprochen Mitteln handelt es sich um apothekenpflichtige Arzneimittel, deren Wirkstoffgehalt streng kontrolliert wird. Diese Mittel werden - obwohl nicht rezeptpflichtig - auch nach der Gesundheitsreform 2004 von der gesetzlichen Krankenkasse bezahlt, falls sie vom Arzt verschrieben wurden. |
|
| Bei Einnahme von Johanniskraut sollte auch auf intensive Sonnen- |
Handelsnamen
|
|
| und UV-Bestrahlungen (z.B. Solarien, Lichttherapie) verzichtet werden, da es zu sonnenbrandähnlichen Nebenwirkungen kommen kann. Weitere typische Nebenwirkungen sind Kopfschmerzen, Magen-Darm Probleme, allergische Reaktionen, Müdigkeit, Unruhe, Schwitzen und Schwindel. [5] |
Hyperforat, Hypericum 300, Hypericum AZU, Felis,
Hypericum Stada, Hypericum Syxyl, Hyperval, Jarsin, Johanniskraut (diverse
Hersteller), Laif, Psychotonin, Texx, Viviplus
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10.10 Dopamin Wiederaufnahme-Hemmer |
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| Obwohl bekannt ist, dass der Neurotransmitter Dopamin ebenfalls |
Handelsnamen
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| bei Depressionen relevant ist, gibt es kaum Medikamente, die selektiv auf das Dopamin einwirken. Im deutschsprachigen Raum ist derzeit kein entsprechendes Medikament mehr zugelassen, nachdem Nomifensin wegen tödlicher Nebenwirkungen 1985 vom Markt genommen wurde. |
Amineptin: Amineptin
Bupropion: Wellbutrin, Zyban Nomifensin: Alival, Psyton |
| Der Dopamin Wiederaufnahme-Hemmer Bupropion (Dopamin
/ Noradrenalin) ist den USA und in Frankreich zur Behandlung von Depressionen
zugelassen. Seit 2000 ist Bupropion in Deutschland als Mittel zur Nikotinentwöhnung
wieder zugelassen, nicht jedoch zur Behandlung von Depressionen. Bei Patienten
mit einer psychiatrischen Vorgeschichte können schwere Nebenwirkungen
auftreten. Unter anderem eine hohe Rate an Suizid-Versuchen (15,2%), Depressionen
(7,6%), Angst, Schlafstörungen und Nervosität. [6] Das Tricyclikum Amineptin fällt in Deutschland unter das Betäubungsmittelgesetz, da es ein hohes Suchtpotential inne hat und berauschend wirkt. |
11. Depressionen und Ernährung |
| Jüngsten Forschungsergebnissen zufolge kann eine bestimmte
Ernährung ein Antidepresssivum oder eine Psychotherapie zwar nicht
ersetzen, aber durchaus unterstützend wirken. Vor allem Personen
mit leichten Symptomen und die anfällig sind für Stress können
profitieren. Den Forschungsergebnissen zufolge können die Neurotransmitter
Serotonin und Noradrenalin zwar nicht direkt zugeführt werden, aber
deren Konzentration lässt sich durch Ernährung beeinflussen,
die reich an den Aminosäuren Tryptophan und Tyrosin ist. [L4] Tryptophan ist eine Vorstufe von Serotonin, Tyrosin dagegen eine Vorstufe von Noradreanlin und Dopamin. Die beiden Stoffe sind vor allem in Nahrungsmitteln enthalten, die reich an hochwertigen Kohlenhydraten sind, wie zum Beispiel Reis, Nudeln, Brot oder Kuskus. Auch Omega-3-Fettsäuren, die sich vor allem in Fisch und Olivenöl finden, wirken unterstützend. Von kohlenhydratarmen und eiweißreichen Diäten wie zum Beispiel der "Atkins-Diät" oder der "Steinzeitdiät" wird dagegen abgeraten. [L4] |
12. Quellen und Links |
| Links: |
Zu guter Letzt
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| [01] Ärztezeitung [02] Psychiatriegespäch [03] Karl C. Mayer [04] Infomed - Pharma-Kritik [05] Arzneimittelkompendium der Schweiz [06] Deutsches Ärzteblatt [07] Antidepressiva Forum Deutschland [08] Dr. Hans Morschitzky |
... und nach all den ernsten und unerfreulichen
Dingen, gibt es hier auch noch etwas lustiges zum Thema:
Sven Glückspilz hat Depressionen |
| http://www.ahc-consilium.at http://www.aphs.ch http://www.infoline.at http://www.klinikundforschung.de http://www.medizinfo.de http://www.medknowledge.de http://www.netdoktor.com http://www.pharmavista.ch http://www.pharmazeutische-zeitung.de http://www.psychiatrie.de |
| Literatur: | ||
| [L1] Moderne Antidepressiva, Hrsg: H.J. Möller, W.E.
Müller, E. Rüther, Thieme Verlag, Stuttgart, 2002 [L2] Therapie der Depressionen, J. Schöpf, Steinköpf Verlag, Darmstadt, 2001 [L3] Antidepressiva, Hrsg: M.T. Gastpar, Thieme Verlag, Stuttgart, 1998 [L4] Psychologie heute, Ausgabe November 2004, Beltz Verlag [L5] Antidepressiva in Klinik und Praxis, W. Sperling, ComMed Healthcare, Basel, 2000 [L6] Differenzierter Umgang mit Antidepressiva, Hartmut Reinbold, PsychoGen Verlag, 5. Auflage, 1998 [L7] Medikament und Psyche, Volker Faust, Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, Stuttgart 1995 [L8] Behandlung mit Psychopharmaka, Brigitte Woggon, Verlag Hans Huber, 2. Auflage, Bern 2005 |
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