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Inhalt:

1. Einführung
2. Symptome
3. Ursachen und funktionelle Störungen
4. Krankheitsverlauf
5. Diagnose
6. Therapie
7. Guter Schlaf und gesunde Ernährung
8. Beruf und Alltag
9. Quellen und Links

Fibromyalgie

Das rätselhafte Rheuma

[neu im März 2001]
[zuletzt aktualisiert am 02. Feb. 2006]





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(Fassung von Nov. 2004)




1. Einführung

   
Sei es ein Tennisarm, ein steifer Nacken oder eine Sehnenscheiden-
Zitate einer Betroffenen
entzündung, die weitaus meisten Menschen leiden im Laufe ihres Lebens einmal an Schmerzen im Bereich von Muskeln, Sehnen oder Knochen, also an rheumatischen Beschwerden. Meist lassen sich diese Beschwerden gut heilen. Es gibt aber auch rheumatische Krankheiten, die schmerzhaft und langwierig verlaufen, falls sie nicht sogar völlig unheilbar sind. Hierzu gehören unter anderem Gicht, Arthrose, Arthritis, aber auch die Fibromyalgie. Doch obwohl in Deutschland mehr als eine Million Menschen an dieser Krankheit leiden, ist sie, selbst unter Medizinern nur wenig bekannt. Vermutlich liegt es daran, daß sie ob der vielfältigen und diffusen Symptome schwer zu diagnostizieren ist. Häufig lassen die Symptome an völlig andere Erkrankungen denken und so werden Patienten oft völlig falsch behandelt.

Erst seit 1990 ist Fibromyalgie als eigenständiges Krankheitsbild definiert. Bekannt ist die Krankheit aber schon viel länger. Schon antike Ärzte kannten das Problem der diffusen Muskelschmerzen. Aus dem 12. Jahrhundert gibt es Beschreibungen in chinesischen Quellen und zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurden in Europa bereits die "Tender-Points" beschrieben, auf die später noch näher eingegangen wird. Doch erst um 1980 herum wurde klar, daß es sich nicht um eine entzündliche Krankheit handelte.
Pat Abernathy:

"Es gibt Tage, da willst Du erst gar nicht aufstehen. Tage, an denen ich die Füße beim Aufstehen auf den Boden setze und dann wieder zurück ins Bett falle, weil die Schmerzen so stark sind."

"Ich habe festgestellt, daß egal was ich tue, seien es nun der Haushalt oder die Gartenarbeit, ich für alles viel mehr Zeit brauche, weil ich mich alle 20 Minuten zum Ausruhen hinsetzen muß."

"Ich muß mich entscheiden, ob ich etwas aufgeben möchte, oder ob ich es doch tue und dann mit den Konsequenzen leben will."

"Es ist nicht sichtbar. Wenn Du mich ansiehst, würdest Du niemals denken, daß irgendetwas nicht in Ordnung sei."



2. Symptome

   
Charakteristisch für Fibromyalgie ist eine Vielzahl schmerzender
mögliche Symptome
Muskeln und anderer Beschwerden, die gleichzeitig oder im Wechsel auftreten. Nahezu alle Muskeln und Gelenke können betroffen sein. Es ist allerdings nicht das Gelenk selbst, welches schmerzt, sondern der gelenknahe Bereich und hier besonders die Muskel-Sehnen-Übergänge.

Die schmerzhaften Muskelverspannungen betreffen vor allem Kreuz und Nacken, aber auch Hinterkopf, das Brustbein und sogar die Gesichtsmuskulatur können betroffen sein. Oft fassen die Patienten die Beschwerden mit dem lapidaren Satz "Es tut mir alles weh" zusammen.

Die Schmerzen verstärken sich bei langem Sitzen und beim Verharren in einer Lage. Oft entstehen sie auch nachts. Am nächsten Morgen wird der Schlaf nicht als erholsam empfunden.

Der Schmerz und die begleitende Steifheit sind meist am Anfang der Bewegung am stärksten, nehmen dann aber durch die wiederholte Muskelbetätigung wieder ab. Der Abnahme des Schmerzes folgt
multiple Muskelschmerzen
Verspannungen
Schlafstörungen
Kopfschmerzen
schnelle Erschöpfbarkeit
Antriebsschwäche
morgendliche Steifheit
Magen- und Darmbeschwerden
Menstruationsbeschwerden
Herz- und Kreislaufbeschwerden
Konzentrationsstörungen
erhöhte Schmerzempfindlichkeit
erhöhte Geräuschempfindlichkeit
erhöhtes Kältegefühl
Depressionen
Atemprobleme
Schweißbildung
kreisrunder Haarausfall
sexuelles Desinteresse
Wassereinlagerungen
dann aber schnell wieder eine Zunahme und eine rasche Ermüdung.  
 
CFS
Durch die andauernden Schmerzen, ergeben sich oft psychische Beschwerden wie Depressionen und Angstgefühle.

Zahlreiche weitere Beschwerden können auftreten (siehe rechts) und durch die Fülle der Beschwerden sind Patienten mit Fibromyalgie häufig nicht in der Lage ein normales Leben zu führen. Vor allem die Mattigkeit und massive Abgeschlagenheit quält die Betroffenen neben den Schmerzen am meisten und hindert sie an einer regelmäßigen Berufstätigkeit.

Zwar ist der Schmerz das Leitsyptom der Fibromyalgie (z.B. im Gegensatz zum CFS, siehe Kasten rechts), doch es gibt noch viele andere Krankheiten, die praktisch die gleiche Palette an Symptomen haben.Oft wird zum Beispiel eine somatisierte Depression für eine Fibromyalgie gehalten.
Besonders in amerikanischen Veröffentlichungen wird Fibromyalgie sehr oft mit dem chronischen Erschöpfungs-Syndrom (CFS - chronic fatigue syndrom) in Verbindung gebracht, weil sich beide Krankheiten in den Symptomen sehr ähnlich sind. Beim CFS steht die Erschöpfung im Vordergrund der Beschwerden, während es bei der Fibromyalgie die Muskelschmerzen sind. Bei beiden Krankheiten treten auch gleiche Störungen im Schlafrhythmus. auf. Daher glauben viele Forscher, daß es sich um die gleiche Krankheit handelt, die sich im Einzelfall lediglich unterschiedlich auswirkt.



3. Ursachen und Funktionelle Störungen

   
Die genauen Ursachen für Fibromyalgie sind immer noch unbekannt.
Das Wort: "Fibromyalgie"
Es wirken meist mehrere Faktoren gleichzeitig. Chronischer, schlecht verarbeiter Streß im Berufsleben und im Alltag fördern den Ausbruch genauso wie eingreifende Änderungen im sozialen Leben, wie z.B. der Tod einer nahen Person, sowie physische und psychische Überlastungen können einen Ausbruch fördern. Begünstigend wirken auch starkes Übergewicht, Fehlhaltungen und Bänderschwächen. Fibromyalgie kann aber auch als Folge einer anderen Erkrankung auftreten (z.B. Arthrose) oder Unfalles (HWS-Syndrom, "Schleudertrauma") auftreten.
 
Das Wort Fibromyalgie setzt sich zusammen aus dem lateinischen Wort "fibra" (=Faser), sowie den drei griechischen Worten "mys" (=Muskel), "algos" (=Schmerz) und "ia" (=Zustand). Es bedeutet also wörtlich übersetzt "Muskelfaserschmerzzustand". Dieses etwas holprige Wort beschreibt die wichtigsten Merkmale dieser Krankheit.
Obwohl für Fibromyalgie oft auch physische Ursachen in Frage kommen, sind besonders oft Menschen betroffen, die an psychisch-emotionellen Ängsten und Spannungszuständen leiden, denn Schmerzen müssen durch psychische Prozesse verarbeitet werden.

Die psychische Grundstimmung ist entscheidend dafür, wie gut die Verarbeitung des Schmerzes erfolgen kann. So tritt Fibromyalgie oft auch auf bei sexuellem Mißbrauch, bei körperlicher Mißhandlung, gemütsmäßiger Vernachlässigung im Kindesalter oder bei anderen posttraumatischen Störungen. In manchen Studien lies sich gar ein Zusammenhang zwischen der Intensität des Traumas und der Stärke der Schmerzen ausmachen.

Ein mögliches Erklärungsmodell könnte also wie folgt aussehen: Durch wiederholt erlittene psychische oder starke physische Traumata kommt es zu einer Hypersensibilisierung verschiedener Sinnesempfindungen, zum Beispiel zu einer geringeren Toleranz für Schmerzen. Das Gehirn muß erheblich mehr Umweltreize verarbeiten und verliert dadurch seine Fähigkeit die Reize richtig zu filtern und zu sortieren. Der Schmerz verselbständigt sich. Etwas salopp übersetzt könnte man von einer Allergie des Nervensystems sprechen. So wie das Immunsystem eines Allergikers zu sensibel auf bestimmte Stoffe reagiert, reagiert das Nervensystem zu sensibel auf bestimmte Sinneseindrücke.

Das Modell hat ein Gegenstück in der Psychologie. Es ist erwiesen, daß wiederholte seelische Verletzungen in der Kindheit oder Jugend die Entwicklung zu einer eigenständigen und selbstbewußten Persönlichkeit stören. Eine wenig gefestigte Person ist aber wiederum erheblich empfindlicher gegenüber neuen psychischen Belastungen.

Das bedeutet jedoch nicht, daß die Betroffenen einfach nur überspannt sind oder sich die Krankheit nur "einbilden". Denn obwohl die üblichen Blutuntersuchungen ohne Befund bleiben, lassen sich dennoch körperliche Veränderungen nachweisen. Die nötigen Untersuchungen hierfür sind jedoch extrem aufwändig und werden daher nur im Rahmen von Forschung und klinischen Studien durchgeführt.

Nicht selten wird dabei festgestellt, dass das Gleichgewicht verschiedener Neurotransmitter und Stresshormone verschoben, was auf die chronische Streßreaktion schließen läßt. Meistens, aber auch nicht immer werden niedrige Serotonin- und Endorphinwerte gemessen, was zur Schmerzempfindlichkeit passt, da diese beiden Substanzen unter anderem für die Schmerzhemmung zuständig sind. Auch erhöhte Werte der "Substanz P" (ein weiterer Neurotransmitter, der für die Weiterleitung von Schmerz zuständig ist) und des "Nerve Growth Factor" lassen sich oft nachweisen.

Vermutlich liegt bei Fibromyalgie-Patienten auch eine erhöhte Empfindlichkeit der Nozizeptoren vor. Dies sind die Nervenzellen, die für die Weiterleitung von Reflexen verantwortlich sind. Sie melden dann ständig, in Wirklichkeit nicht vorhandene Schäden des Körpers weiter, was zu einer ständig erhöhten Anspannung der Muskulatur führt, die auf diese Art permanent im Alarmzustand gehalten wird. Die ständige Überbeanspruchung führt schließlich zu Schmerzen im Gewebe. Da die Nozizeptoren auf verschiedene Substanzen, unter anderem auf Serotonin reagieren, könnte hier ein Zusammenhang zu den weiter oben beschriebenen Stoffwechselstörungen bestehen.

Eine weitere Theorie vermutet, dass es durch schlecht verarbeiteten Stress zu Schlafstörungen kommen, die zu einem Mangel an Wachstumshormonen führen, die vor allem während des Schlafes produziert werden. Dies hat zur Folge, dass sich die Muskeln schlechter regenerieren können und schmerzen. [10]

Es muß jedoch noch einmal betont werden, daß die wahre Ursache noch nicht bekannt ist. Alle in diesem Abschnitt beschriebenen Modelle sind derzeit noch Theorien.

Es wird jedoch allmählich deutlich, dass die Ursache für Fibromyalgie eher im Bereich des Nervensystems zu suchen ist, und nicht im Muskel selbst. Tatsächlich handelt es sich also eher ein neurologisches bzw. psychiatrisches und kein rheumatologisches Problem.
 



4. Krankheitsverlauf

An Fibromyalgie erkranken die meisten Menschen in einem mittleren Lebensalter, im allgemeinen zwischen 35 und 45, aber die Beschwerden können durchaus auch schon bei Kindern und Jugendlichen beginnen, werden dann aber meist dem "Wachstum" zugeschrieben. Es gibt aber auch Fälle, in denen die Krankheit erst wesentlich später einsetzt. Übrigens leiden Frauen etwa acht mal häufiger als Männer an Fibromyalgie, dafür erkranken Männer im Durchschnitt früher.

Die Krankheit beginnt schleichend und oft auch mit unspezifischen Beschwerden. Meist beginnen die Beschwerden an ein oder zwei Körperstellen, sehr oft am Rücken. Im weiteren Verlauf breiten sich die Beschwerden aus, werden stärker und schließlich chronisch. Im Regelfall nimmt die Krankheit einen wellenförmigen Verlauf mit Phasen der Besserung und Verschlechterung. Im Laufe des Tages sind die Beschwerden morgens am stärksten. Im Frühjahr und Herbst treten sie häufiger auf, da die Patienten auf Nässe und Kälte negativ reagieren. Allgemein sind Betroffene auch "wetterfühlig".

Sehr häufig kommt es mit andauernden Verlauf der Krankheit auch zu psychischen Folgen. Zum einen durch den ständigen Schmerz, aber auch durch die Umwelt, die oft unverständig reagiert. Das wiegt besonders schwer bei Menschen die bereits vor der Erkrankung mit psychischen Problemen kämpften, da sich hier die zwei Krankheiten gegenseitig verstärken.
   
   
Die ACR Kriterien
Da die Ursachen noch unklar sind, ist Fibromyalgie nicht heilbar. Mit geeigneten Therapien lassen sich die Schmerzen aber verringern. Die Krankheit ist trotz des chronischen und belastenden Schmerz- charakters nicht lebensbedrohlich und führt auch bei langem Verlauf nicht zu einer Versteifung der Gelenke oder zu anderen organischen Schäden

Über die Dauer der Krankheit ist wenig bekannt. Häufig werden Beschwerdezeiträume von 15 Jahren und mehr gefunden, aber es gibt große Differenzen, was die Dauer und das Ausmaß der Beschwerden angeht.
 
Den Klassifikationskriterien des American College of Rheumatology (ACR) zufolge bestehen bei Fibromyalgie ausgedehnte generalisierte Schmerzen, die zumindest drei Monate bestanden haben. An mindestens 11 von 18 Schmerzpunkten (Tenderpoints) treten Druckschmerzen auf. Generalisierte Schmerzen sind dadurch gekennzeichnet, dass sie in beiden Körperhälften lokalisiert sind, im Ober- und Unterkörper und im Bereich des Achsenskeletts (HWS, BWS oder tief sitzende Kreuzschmerzen). [08]


5. Diagnose

 
Bevor die richtige Diagnose gestellt wird, haben die Betroffenen nicht
somatisierte Depression
selten eine langjährige Odyssee von Arzt zu Arzt hinter sich. Meist werden die zahlreichen Beschwerden nicht ernst genommen oder es werden gar falsche Diagnosen gestellt, weil nur einzelne Symptome berücksichtigt werden. Häufig werden die Patienten als psychisch krank abgestempelt oder sogar als Simulanten und Drückeberger. So wundert es nicht, daß zwischen Auftreten der Beschwerden und der Diagnose im Schnitt etwa 5-10 Jahre vergehen. Die psychischen Belastungen durch die ständige Unsicherheit und die zahlreichen, oft unnötigen Behandlungen und Untersuchungen verstärken die Krankheit noch.

Tatsächlich stellt sich die Diagnose für den Arzt oft schwierig dar. Immer wieder läßt die verwirrende Vielfalt der Symptome an andere Krankheitsbilder denken. Da charakteristische Krankheitssymptome fehlen kann die Krankheit nur durch den Ausschluß anderer Krankheiten diagnostiziert werden. Hierfür muß ausführlich die Krankheitsgeschichte erfragt werden. Die üblichen Laborwerte und Röntgenbilder bleiben ohne Befund. Sie haben nur den Zweck, andere Erkrankungen auszuschließen. Kommt es hier zu Auffälligkeiten, ist eine Fibromyalgie unwahrscheinlich.

Charakteristisch sind Druckschmerzen an den Ansatzstellen der Sehen. Man spricht hier von "Tender-Points". Laut Definition müssen für die Diagnose Fibromyalgie 11 der 18 Tender Points druckempfindlich sein. Wenn es andere, typische Symptome gibt, kann die Diagnose auch schon bei weniger Tender-Points eindeutig sein.
Besonders schwierig ist für den Arzt die Unterscheidung zwischen Fibromyalgie und somatisierter Depression. Diese Form der Depression äußert sich wie die Fibromyalgie, vor allem durch Schmerzen in unterschiedlichen Körperteilen. Auch Tender Points können vorhanden sein, denn aus einer somatisierten Depression kann sich durchaus auch eine sekundäre Fibromyalgie entwickeln. Umgekehrt kann aus einer Fibromyalgie allerdings auch eine Depression entstehen. Es stellt sich die berühmte Frage nach der Henne und dem Ei. Letzten Endes hilft im Zweifelsfall nur ausprobieren.

Grundsätzlich git: Als erstes muß eine zugrunde liegende Depression behandelt werden. Also sollte in den Fällen, in denen die Diagnose unklar ist, zunächst einmal mit modernen Antidepressiva z.B. Serotonin Wiederaufnahme Hemmern, therapiert werden. Die klassischen tricyclischen Antidepressiva sind hierzu ungeeingnet, da sie oft auch Patienten mit Fibromyalgie helfen. Diese reagieren auf die neueren Antidepressiva im allgemeinen nicht, während Patienten mit einer somatisierten Depression meist recht gut ansprechen und die Schmerzen rasch nachlassen.



Die Lage der Tender-Points:

Fibromyalgie - Die Lage der Tender Points




6. Therapie

 
Da es für Fibromyalgie noch keine erkennbare Ursache gibt, hat die
Physikalische Therapie
Behandlung anhand der Symptome erfolgen. Die Therapie der Krankheit erfordert sehr viel Geduld und ein sehr gutes Vertrauensverhältnis zwischen Patienten und Arzt. Die unterschiedlichen behandelnden Institutionen wie Ärzte, Psychologen und Krankengymnasten müssen eng zusammen arbeiten. In sehr schweren Fällen ist die stationäre Behandlung in einer mit Fibromyalgie erfahrenen Rheuma Fachklinik erforderlich.

Am häufigsten haben die folgenden Therapieformen Erfolge erzielt:
 
Häufig hilft Krankengymnastik zur Entspannung und Kräftigung der Muskulatur. Auch Schwimmen bzw. Übungen in warmen Wasser bringen oft Linderung. Auch nicht belastende Maßnahmen zur Steigerung der Fitneß zeigen gute Erfolge. So z.B. Radfahren, flottes Gehen oder Tanzen. Anwendung von Kälte oder Wärme zeigen unterschiedliche Erfolge. Auch Massagen lindern oft die Beschwerden.
- physikalische Therapie
- psychologische Hilfen
- Entspannungstechniken
- Medikamente
 
 
Psychologische Hilfen
Der beste Erfolg wird erzielt, wenn alle vier Punkte gleichzeitig und gut koordiniert eingesetzt werden (multimodale Therapie). Fast immer erfolglos sind dagegen Operationen und auch Akupunktur hilft nur selten.

Dr. Thomas Weiss teilt die Therapie in seinem Buch "Fibromyalgie" in 10 Punkte ein [L1]:
 
 
Zu den körperlichen Beschwerden kommen häufig auch Schuldgefühle durch die reduzierte Leistungsfähigkeit, verminderte Selbstwertgefühle, Angst und Depressionen. Das läßt sich durch eine begleitende Psychotherapie auffangen. Hier können Techniken zur Schmerzbewältigung erlernt werden. Eine Art Krankengymnastik für die Seele.
1. Information und innere Einstellung
2. Entspannnen und Loslassen
3. Physikalische Therapie
4. Fitness schaffen
 
5. Gesunden Schlaf fördern
 
Entspannungstechniken
6. Gesunde Ernährung
7. Verbesserung der Durchblutung
8. Therapie des Lymphödems
9. Medikamente
Bewährt haben sich auch Techniken zur Entspannung wie zum Beispiel die Muskelentspannung nach Jakobsen, autogenes Training oder Meditation.
10. Psychotherapie

Ein ähnliches Konzept vertrat Dr. Gerhard Müller Schwefe. Er ist Leitender Arzt im Schmerzzentrum Göppingen und Präsident des
 
schmerztherapeutischen Kolloquiums der Deutschen Gesellschaft
Medikamente
für Schmerztherapie) im Gesundheitsgespräch des Bayrischen Rundfunks am 19.07.2003 [7]:

"Es gibt vier Bausteine, die zusammengehören, um Fibromyalgie effektiv zu behandeln:
  1. Die Lernprozesse, durch die der Schmerz chronisch geworden ist, müssen unterbrochen und das Schmerzgedächtnis wieder umgekehrt werden. Dazu muss in das System erst einmal Ruhe einkehren.

  2. Die gestörte Funktion des Bewegungsapparats - als Ursache oder als Folge der Schmerzen - muss wiederhergestellt werden. Dazu gibt es gezielte Übungsbehandlungen, die der Patient auch selber durchführen sollte.

  3. Die körpereigene Schmerzkontrolle muss wieder stabilisiert und verstärkt werden. Entweder mit Cannabis-, Morphin-Derivaten oder mit Akupunktur, welche die körpereigenen Morphine und Endorphine aktivieren. Auch eine Elektrostimulationstherapie ist möglich.

  4. Schmerzpatienten sind häufig einsam, traurig und verbittert. Diese Patienten müssen sozial und psychisch re-integriert werden. Eine Möglichkeit ist Psychotherapie."
Die Konzepte zeigen, auch wenn eine Fibromyalgie nach jetzigem Stand der Forschung nicht heilbar ist, so ist die Erkrankung jedoch behandelbar. Vor allem hinsichtlich der medikamentösen Therapie gibt es inzwischen erfreuliche Fortschritte. Das Problem dabei ist jedoch, daß nicht alle Patienten auf jede Therapie ansprechen. Oft muß einfach ausprobiert werden, welche Medikamente und therapeutischen Maßnahmen dem betreffenden Patienten ab besten helfen.
Klassische Schmerzmittel zeigen meist nur einen geringen Erfolg und auch nur bei etwa 30-40% der Patienten. Hier hilft nur ausprobieren, welches hilft. Opiate und Kortison sind ebenso wirkungslos wie Schlafmittel und die üblichen Mittel zur Muskelentspannung. Die klassischen Rheumamittel wie Ibuprofen, Dicolfenac o.ä. bringen nur Erfolg, wenn gleichzeitig noch eine andere Erkrankung vorliegt.

Viele Fibromyalgie Patienen sprechen gut auf einige niedrig dosierte tricyclische Antidepressiva an. Hier findet vor allem Amitryptilin Verwendung. Diese wirken vor allem durch die Verbesserung des Schlafes und die Minderung des Schmerzempfindens. Die Dosis ist deutlich niedriger, als bei Depressionen. Erfolglos ist dagegen in der Regel der Einsatz von neueren Antidepressiva mit Ausnahme des Wirkstoffes Mirtazapin.

Recht erfolgreich werden auch die beiden nicht auf Opiaten basierenden Schmerzmittel Tolperison und Flupirtin eingesezt. Diese normalisieren die Muskelspannung und durchbrechen das Schmerzgedächtnis. Sie greifen in die Prozesse bei der Ausschüttung der Neurotransmitter ein, indem Sie auf die sogenannten Calcium- und Kalium-Ionenkanäle einwirken. [9]



7. Guter Schlaf und gesunde Ernährung

 
Die meisten Fibromyalgie-Patienten leiden zusätzlich auch an einer
Fitnesstraining
Schlafstörung. Bei Beobachtungen in einem Schlaflabor wurde eine sogenannte alpha-EEG- Abnormalität festgestellt. Das bedeutet, daß die Betroffenen zwar recht gut einschlafen, aber ihr Tiefenschlaf wird regelmäßig unterbrochen. Dadurch kann sich der Körper nicht ausreichen erholen. Das führt dazu, daß sich die Betroffenen am nächsten Morgen völlig zerschlagen und wenig ausgeruht fühlen. Gesunde Menschen, deren Tiefenschlaf in der gleichen Weise unterbrochen wurde, zeigten sehr schnell typische Symptome von Fibromyalgie oder CFS. Einige Fibromyalgie Patienten zeigen auch weitere Schlafstörungen, wie das "restless leg syndrom" oder Zähneknischen.

Da Serotonin auch für die Steuerung des Schlafes zuständig ist, ergibt sich hier ein weiteres Stück im großen Puzzle der Ursachenforschung. Es ist jedoch nicht klar, ob die Schlafstörungen die Ursache oder nur ein weiteres Symptom sind.
 
Es liegt daher nahe, bei der Ernährung auf alles zu verzichten, was
"Ein starker Rücken kennt keine Schmerzen", mit diesem eingängigen Spruch wirbt eine Fitness Studio Kette. Damit hat es schon seine Richtigkeit und so steht auch für Fibromyalgie Patienten die Kräftigung der Muskulatur ganz oben auf dem Therapieplan. Eine kräftige Muskulatur, unterstützt den Bewegungs-apperat und beugt Fehlhaltungen vor, die nun wieder Ursache für Schmerzen sein können. In einem guten Fitness-Studio (es muß nicht das mit dem Spruch sein), gibt es gut ausgebildete Trainer, die mit den Kunden einen individuellen Plan zum Training ausarbeiten. Leider gibt es auch hier viele schwarze Schafe auf dem Markt und mit dem falschen Training kann viel Schaden angerichtet werden. Eine sorgfältige und kritische Auswahl ist daher wichtig.
einen ungünstigen Einfluß auf den Schlaf hat. Hierzu zählt vor allem Koffein (Kaffee, schwarzer Tee, Cola, etc.) und Nikotin.

Eine Schlüsselrolle bei der Schmerzverarbeitung durch den Körper spielt die Arachidonsäure. Das ist eine vierfach ungesättigte Fettsäure, die der Körper selbst bildet, die wir aber auch mit tierischen Fetten aufnehmen. Eine Kost, die reich an Arachidonsäure ist, wirkt schmerzfördernd. Arachidonsäure findet sich vor allem in Schweinefleisch, Schmalz, Eigelb, Heilbutt, Thunfisch und Aal. Der tägliche Bedarf an tierischen Fetten kann stattdessen durch fettarme Milchprodukte gedeckt werden. [L3]

Positiv wirkt dagegen eine Kost, die reich an den sogenannten Omega-3-Fettsäuren ist. Diese finden sich z.B. in Seefisch (auch in fetten Fischen wie Lachs, Hering oder Makrele), Walnüssen, Soja, Weizenkeimen und Raps. [L3]

Die letzen beiden Empfehlungen gelten streng genommen nur für entzündliche Erkrankungen. Wie weiter oben beschrieben kann Fibromyalgie jedoch auch Folge einer entzündlichen rheumatischen Erkrankung sein oder umgekehrt, die Fibromyalgie kann manchmal zu solchen Erkrankungen führen (Stichwort: Fehlhaltungen).
 



8. Beruf und Alltag

 
Zusätzlich zu der reduzierten Belastbarkeit in ihrem Alltag leiden
Selbsthilfegruppen
viele Patienten vor allem auch bei der Arbeit unter ihren Leistungseinbußen. Menschen mit Fibromyalgie neigen sehr häufig zu Exaktheit und Genauigkeit, zeigen Leistungsbereitschaft und setzen sich selbst unter Zeitdruck. Es belastet sie daher besonders stark, wenn sie ihrer Aufgabe nicht mehr voll gewachsen ist. Wenn es dann nicht zeitig zu einer Optimierung des Arbeitsplatzes kommt, zum Beispiel durch Arbeitshilfen, eine Umstellung von Arbeitsabläufen oder Pausen, kann ein abrupter Leistungseinbruch eintreten, der häufig sehr lange Fehlzeiten bedeutet. Ist es zu längeren Ausfallzeiten gekommen, ist ein Wiedereinstieg in Stufen zu empfehlen.

Da Fibromyalgie im Gegensatz zu anderen häufigen Krankheiten noch wenig bekannt ist und auch keine sichtbaren Merkmale zeigt,
Wie die meisten Menschen mit Rheuma, empfinden es auch Patienten mit Fibromyalgie, oft besonders hilfreich, andere Menschen zu treffen, die ebenfalls an ihrer Krankheit leiden, um sich mit ihnen auszutauschen. Die Deutsche Rheuma-Liga organisiert die Selbsthilfegruppen. In erster Linie erfahren die Patienten hier Zuwendung, Ermutigung und Bestätigung. Häufig finden sie hier die einzige Möglichkeit, sich mit ihrer persönlichen Situation auseinanderzusetzen und neue Wege für den Umgang mit der Erkrankung zu finden.
werden die Betroffenen teilweise als Drückeberger angesehen und in Folge dessen von Mitarbeitern gemobbt, was den Verlauf der Krankheit noch verstärkt.

Die Hilflosigkeit die den Betroffenen von den Ärzten und ihrem privaten Umfeld entgegengebracht werden, wird von Betroffenen oft als "nicht ernst genommen werden" empfunden, was letztlich zu Rückzug und Isolation sowohl am Arbeitsplatz, als auch in der Freizeit, führt. Dazu kommt, daß sich viele Patienten immer mehr einschränken, in dem Glauben sich schonen zu müssen, um sich die Kraft für die Arbeit oder den Haushalt zu erhalten. Darunter leiden die privaten Aktivitäten, was einen erheblichen Verlust an Lebensqualität bedeutet. Schließlich besteht das Leben der Betroffenen nur noch aus Arbeit und Schonung, daraus resultiert nicht selten eine Depression. Um diesen Teufelskreis zu durchbrechen sollte man besonders die angenehmen Aktivitäten allmählich wieder steigern. Wichtig ist die allmähliche und behutsame Steigerung. Bei der Überwindung des Rückzugsverhaltens und der Isolation können auch Selbsthilfegruppen hilfreich sein. Oft läßt sich hier das richtige Einschätzen der eigenen Leistungsgrenzen erlernen.
 



9. Quellen und Links

 
Deutsch:

Deutsche Rheuma-Liga

Fibromyalgie-aktuell

Rheumazentrum Heidelberg

Fibromyalgie-Forum

Fibromyalgie.de

Psychosoziale Gesundheit


[07] Gesundheitsgespäch des Bayrischen Rundfunks

[08] Ärzte Zeitung

[09] Uwe Junker, Rationale Pharmakotherapie bei Rücken-schmerzen, aus: StK - Zeitschrift für angewandte Schmerztherapie, Ausgabe 1/2003

[10] Prof. Dr. Peter Keel, Bethesda Spital Basel, "Fibromyalgie: Modell einer somatoformen Störung", veröffentlicht bei universimed.com, 14.11.2005
 
Englisch:  
 
In eingener Sache
Fibromyalgia Network

DrKoop.com



Bücher:
 
Wer sich für einen Teil meiner eigenen Geschichte interessiert, der kann sie sich hier als pdf-Datei herunterladen (67kB).

meine Geschichte:
Ein Jahr Fibromyalgie
[L1] Dr. Thomas Weiß, Fibromyalgie, 1997, Südwest Verlag, ISBN 3-517-01993-3"  
 
Zu guter Letzt
[L2] Dr. Wolfgang Brückle, Fibromyalgie: das unbekannte Rheuma, 1997, Urania Verlag Berlin, ISBN 3-332-00613-4

[L3] Genußvoll essen bei Rheuma, Midena Verlag, 2000, ISBN 3-310-00587-9
... und nach all den ernsten und unerfreulichen Dingen, gibt es hier auch noch etwas lustiges zum Thema:

Hägar's Arztbesuch




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